Helge trifft Mona Lisa

Helge trifft Mona Lisa

Da öffnet man – nichts ahnend – das Mailpostfach und plötzlich liegt da eine Anfrage von einem TV-Magazin. Und nicht nur von irgendeinem RTL2-Format, sondern vom ZDF. Im ersten Moment war ich sprachlos. Das ZDF-Magazin Mona Lisa will ein Interview mit mir und Rieke drehen. Ich meine… das ZDF… eine Reichweite, die nicht so überschaubar ist, wie mit meinem kleinen Blog hier. Wer wird uns dann – durch Zufall – sehen können? Der Postbote, meine neuen Nachbarn, mein Chef? Nach einigem Beschnuppern haben wir uns dann aber entschieden, uns auf das Abenteuer einzulassen. So kam es, dass eines Tages ein Team vom ZDF vor unserer Tür stand und wir ihnen intime Einblicke in unsere Baustelle und unser Leben gewährt haben.

In den Vorgesprächen haben wir den Wunsch geäußert, dass wir mit unserem Schicksal nicht so sehr im Vordergrund stehen, sondern eher die gesellschaftlichen Facetten eines ungewollt kinderlosen Lebens thematisieren wollten. Die Sendezeit ist jedoch auf 5 Minuten begrenzt, daher war klar, dass es wohl nur oberflächlich sein wird. Aber dennoch, es soll im Kern darum gehen, das Thema „ungewollte Kinderlosigkeit“ in die Öffentlichkeit zu bringen.

In unserem Alltag stoßen wir immer wieder auf Situationen, in denen unsere Gegenüber davon ausgehen, dass ein Ehepaar mit Mitte 30 und Haus Kinder zu haben hat. Daraus entwickeln sich oft Gespräche, in denen wir uns rechtfertigen müssen, nicht weitere Behandlungen versucht zu haben. Eine echte Offenheit unserem jetzigen Lebensmodell gegenüber, erlebe ich selten. Ich habe über diese Situationen schon einen Beitrag geschrieben. Vor allem aber wollen wir diejenigen stärken, die einfach „nur“ unsicher sind, nicht wissen wie sie reagieren sollen, Angst haben das Falsche zu sagen, selbst bei ihren engsten Angehörigen.

Um etwas zu ändern, ist es aus meiner Sicht eine gesellschaftliche Normalität von Kinderlosigkeit notwendig. Die erreichen wir wohl nur indem wir das Thema immer wieder in die Öffentlichkeit hieven. Dies ist auch unser Anliegen bei dem Interview-Dreh mit dem ZDF gewesen.

Was daraus geworden ist, könnt ihr hier sehen (Helge heißt im wahren Leben übrigens Johannes):

Auch wenn es ein absolut merkwürdiges Gefühl ist, sich selber im Fernsehen zu sehen, sind wir mit dem Beitrag grundsätzlich zufrieden. Zum Glück, denn es haben knapp 1 Mio. Menschen zugesehen (die Mediathek noch nicht mitgerechnet). Wir mussten aber feststellen, dass in 5 Minuten keine großen gesellschaftlichen Probleme bearbeitet werden können. So ist es halt doch eher ein Bericht über unser persönliches Schicksal geworden.

Witzig ist allerdings, dass ich schon von nahezu fremden Menschen angesprochen wurde. „Ich habe dich im Fernsehen bei Mona Lisa gesehen, komm lass dich umarmen“, tönt es mir dann entgegen. Hmm… diese Mitleidsnummer haben damit definitiv nicht starten wollen. Aber, es gibt auch Gespräche, in denen uns für unsere Offenheit gedankt wird.

Mich würde aber brennend interessieren, wie euch der Beitrag gefällt.

6 Gedanken zu “Helge trifft Mona Lisa

  1. Traurig, aber auch offen, ehrlich, herzlich und einfach nur schön… das ist das was ich über den Beitrag sagen kann. Ich finde es respektvoll und mutig sich im Fernseh zu zeigen und eure Meinung so frei und ungezwungen zu äußern.

  2. Ich fand den Beitrag gut gemacht, aber ja, er war sehr persönlich ausgerichtet, wenig über eure Situation hinausgehend. Man bekommt aber ein Gefühl für Euch beide als Menschen und ihr seid übrigens sehr sympathisch 😉

  3. Vielen Dank und Chapeau, lieber Helge! Einmal mehr ziehe ich meinen Hut – ich finde grossartig, dass Ihr in der Sendung mitgemacht habt. Das braucht Mut. Ich gehe mit dir einig: die Veränderung der Gesellschaft beginnt mit uns.
    Mir gefällt das Porträt von Euch gut. Für eine gründlichere Analyse auf gesellschaftlicher Ebene wäre wohl tatsächlich mehr Sendezeit nötig gewesen. Trotzdem sind diese fünf Minuten ein wichtiger und sehr guter Anfang. Weil unsere Gesellschaftsgruppe doch auch aus einzelnen Menschen bzw. Paaren besteht. Jede Geschichte ist hier wichtig und macht, wenn sie von anderen gesehen und gehört wird, einen Unterschied.

  4. Mir gefällt dieser Beitrag gut. Er erhebt ja nicht den Anspruch die Thematik wissenschaftlich zu durchleuchten. Aber er ist sooo wichtig für das Thema. Es muss raus aus dem Tabubereich.

    Zwei sehr sympatisch, natürlich wirkende Menschen berichten von ihrem Lebensweg, von ihrer Entscheidung und der Perspektive, die sie für sich gefunden haben.

    Danke für den Mut, sich im Fernsehen damit zu zeigen. Damit habt Ihr ein wichtiges Signal gesetzt.

    Schön, dass die ungewollte Kinderlosigkeit in letzter Zeit immer häufiger thematisiert wird. Das macht es den Betroffenen hoffentlich immer leichter, sich damit zu „outen“ und sich Unterstützung jenseits der Medizin zu holen.

    Und ich erwarte mir, dass die Bevölkerung immer stärker sensibilisiert wird und viel, viel achtsamer mit den Betroffenen umgeht. So dass der Satz „entspannt euch mal, dann wird das schon“ irgendwann hoffentlich nicht mehr benutzt wird.

  5. Hallo Helge. Ich habe mal in deinen Blog gestöbert und finde es toll das du als Mann so offen und ehrlich mit dem Thema umgeht. Echt Klasse. 🖒☺ Ich selbst schreibe z.Z auch ein Blog zum Thema kinderwunschtipps. Um Gedanken mit anderen zu teilen, denen es nicht anders geht wie mir. Denn auch ich habe bis jetzt ein unerfüllten Kinderwunsch. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg beim schreiben. Weiter so, du machst das toll! 😊

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