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IVF, ICSI und andere sympathische Kürzel

02.11.2011

So, wir waren zum Ersttermin in der Kinderwunsch-Klinik. Ich kenne mich jetzt mit IVF, ICSI und Insemination aus, habe mit mindestens 30 Studien belegt bekommen, dass ein operativer Eingriff notwendig ist und bin ziemlich platt. Der Arzt führt noch eine Ultraschalluntersuchung durch und bestätigt die Diagnose vom Frauenarzt, dass wenigstens ein Eileiter verschlossen und mit Flüssigkeit gefüllt ist.

Uns wird Blut abgenommen und ich bekomme einen Termin zur Abgabe einer Spermaprobe.

Ein Spermiogramm gehört immer zur Erstuntersuchung dazu. Hierfür findet man(n) sich in irgendeiner Klinik vor einem Raum ein, bei dem alle vorbeieilenden Ärzte/innen und Pfleger/innen wissen, worum es sich handelt. Man grüßt freundlich, hält seinen Becher und vielleicht ein geschmackvolles Pornoheftchen in der Hand und darf dann nach angemessener Wartezeit eintreten und zum Vollzug schreiten. Peinlich, aber irgendwie auch einfach nur normal.

Es gibt aus unserer Sicht nach diesem Termin zwei Möglichkeiten:

  1. Alles bleibt wie es ist und wir probieren weiter ein Kind zu bekommen. Wobei nach einem Jahr erfolglosen Bemühens eine Schwangerschaft statistisch nahezu ausgeschlossen ist.
  2. Die Ärzte führen bei Rieke eine Bauchspiegelung durch und entnehmen ihr die Eileiter, sofern diese nicht mehr durchlässig oder funktionstüchtig sind. Denn medizinisch geht man davon aus, dass veränderte Eileiter eine Einnistung des Eies verhindern oder stören können. Anschließend würde dann eine Behandlung mittels der ICSI vorgenommen. Eine Operation hinterlässt bei mir kein gutes Gefühl, denn ich bin noch „vollständig“. Selbst meine Mandeln wurden mir, trotz x-facher Entzündung nie entfernt.

Mir sind beide Varianten nicht recht.

Rieke hat sich zwischen den Terminen auf die Suche nach einer Alternative zu den zwei Möglichkeiten gemacht. Für sie kommt zum jetzigen Zeitpunkt eine Entfernung der Eileiter überhaupt nicht in Frage, nichts tun scheint aber auch unerträglich. Bei ihren Internetrecherchen ist sie immer wieder auf Frauen gestoßen, die von einer erfolgreichen Behandlung  bei einem Heilpraktiker berichteten.

Der zweite Termin zur Besprechung der Blut- und Spermienergebnisse in der KiWu ist ernüchternd. Unsere Blutergebnisse sind unauffällig. Das Spermiogramm hingegen fällt weniger gut aus. Mein Ergebnis ist leider nicht besser, als ich mich gefühlt habe, als ich vor diesem Raum stand. Die Anzahl der Spermien ist in Ordnung, aber die Beweglichkeit und Form lässt zu wünschen übrig.

Was soll ich tun? Jetzt hat es mich auch persönlich erwischt. Meine „Männlichkeit“ fühlt sich in Frage gestellt. Glücklicherweise definiere ich mich nicht nur über Kraft, Geld und Potenz.

Das macht das Kinderkriegen zwar irgendwie noch schwieriger, aber es schafft auch eine Balance. Nun kann es an uns beiden liegen. Nun ist es nicht mehr nur Rieke, die „Schuld“ daran ist, dass wir vielleicht keine Kinder bekommen können.

 

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