Kinderwunsch unter Männern

Kinderwunsch unter Männern

Montagabend bin ich auf Twitter über einige Diskussionen zum aktuellen „Hart aber fair“-Thema über späte Mutterschaft gestolpert. Schon die ersten Zitate aus der Sendung riefen ein Kribbeln hervor, die Neugier war geweckt und nach längerer Zeit war ich mal wieder mit Gefühlen meines Kinderwunsches konfrontiert. Anstatt diese Gefühle lieber wieder einzubuddeln, habe ich sie gewähren lassen und mir die Sendung aus der Mediathek gestreamt.

Zugegeben, das Thema hatte nur am Rande mit meiner eigenen Situation zu tun, aber dennoch überrollte mich die Erinnerung an meine aktive Kinderwunschzeit. Wie könnte es bei den bewegenden Ausschnitten aus dem Film „Alle 28 Tage“ von Ina Borrmann auch anders sein.

Durch diesen Trigger kam mir wieder eine Frage in den Kopf, die mir neulich gestellt wurde: Wie geht eigentlich ein Mann mit seiner ungewollten Kinderlosigkeit um? Wie verarbeitet er seine Gefühle? Eine Antwort darauf kann ich natürlich nur für mich geben, nicht stellvertretend für alle Männer.

Schwäche zeigen

Wenn ich ein Problem habe, kann ich es eigentlich gut verdrängen. Im Laufe unserer aktiven Kinderwunschzeit wurde dies nur zu offensichtlich. Da ich mit dem Problem nicht alleine war, hatte ich nicht recht die Wahl, ich musste mich damit auseinandersetzen. Mit der Erkenntnis, ein Problem zu haben, kam auch die Frage, ob ich Schwäche zeigen darf. Ist ein unerfüllter Kinderwunsch eigentlich eine Schwäche? Mir war es nicht klar. Als meine Rolle sah ich es, für meine Frau da zu sein, sie zu stützen und ihr (oder vielmehr uns) Mut zu machen. Darf ich in dieser Situation Ängste zeigen, Trauer empfinden und mich in diesem medizinischen Zirkus völlig verloren fühlen? Ich wusste es nicht, daher wollte ich meine Sorgen lieber anderswo abladen.

Männer-Gespräche

Mir hat es immer geholfen, mit Rieke über unsere Lage zu sprechen. Doch manchmal ist auch jemand neutrales hilfreich. Ich wollte auch mal eine andere Meinung hören, mit jemanden sprechen, der nicht emotional betroffen ist. Dabei musste ich aber die Erfahrung machen, dass dies kein Thema unter Kerlen ist. Natürlich kann ich mit Freunden über meine Kinderlosigkeit sprechen, aber eher sachlich und… lösungsorientiert. Gefühle liegen da nicht so offen auf dem Tisch. Dafür haben Männer-Gespräche (oder eher: gemeinsames Fußball gucken) andere Qualitäten. Die Normalität, die zwischen Jungs existiert, die Unaufgeregtheit, hat mich immer wieder geerdet und für einen willkommenen Ausgleich gesorgt.

Meine Strategie

Doch mit den Gefühlen meines unerfüllten Wunsches nach Kindern stand ich allein auf weiter Flur. Langsam lernte ich Frauen kenne, die gleiches Schicksal teilten. Aber was war mit den Männern? Tauschen die sich nirgendwo aus? Auf der Suche nach Leidensgenossen stattete ich einigen Foren meine Besuche ab. Dort konnte ich vereinzelt Beiträge von Männern lesen, aber richtig fündig wurde ich erst auf Twitter. Hier war ein Austausch unter ungewollt kinderlosen Männern wenigstens in Teilen möglich, nicht nur ein Beitrag und im Anschluss ewige Stille. Aber allein das Wissen, dass es noch andere gibt, denen es ähnlich geht, hat mir schon geholfen.

Letztlich war aber dieser Blog meine einzige, richtige „Therapie“. Was als digitales Tagebuch begann, wurde größer und hat sich weiterentwickelt. Die intensive Auseinandersetzung mit meinen Themen, die Verarbeitung zu Blogbeiträge war und ist mir echte Wohltat. Nebenbei haben sich über diesen Blog schon viele Gespräche entwickelt – persönlich, per Mail oder über Twitter. Jedes einzelne hat mir geholfen. Oft schien es den Gesprächspartnern leichter zu fallen, das Thema aufzunehmen, wenn sie sich durch meine Blogbeiträge quasi schon darauf vorbereitet haben. Die Auseinandersetzung mit dem Thema und der Austausch mit anderen ist für meine emotionale Ausgeglichenheit elementar – auf welchem Weg auch immer.

Welche Strategie hat euch geholfen? Könnt ihr mit Freunden gut über euren Kinderwunsch sprechen?

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