Helges Kinderwunsch Ratschläge

Ratschläge sind auch Schläge

Seit nunmehr sechs Jahren verfolge ich mit meiner Frau den gemeinsamen Kinderwunsch. Wir gehen mit unseren Niederlagen offen um, wenn wir mal Riekes Arbeitgeber außen vor lassen, und stellen uns jeder Diskussion. Erstaunlicherweise werde ich nun urplötzlich dünnhäutig. Mag sein, dass es daran liegt, dass ein gewisser Frustpegel in der Behandlung erreicht ist, kann aber auch sein, dass ich manche Debatten mittlerweile einfach leid bin. Es handelt sich dabei um Ratschläge. Ratschläge, die unweigerlich als Reaktion auf meine Kinderwunschgeschichten folgen.

Haltet durch!

Ihr merkt es bereits, die ewigen Durchhalteparolen werden mein heutiges Thema sein.

Eines möchte ich aber noch vorwegschicken: Ich vermute, dass ich einigen von euch mit diesem Artikel auf die Füße trete, daher sei hier nochmal deutlich gesagt, dass ich eure Anteilnahme schätze und weiß, dass ihr trösten oder mich aufbauen wollt. Dass die gut gemeinten Ratschläge völlig entgegengesetzte Gefühle auslösen, könnt ihr vermutlich gar nicht ahnen. Bis jetzt, denn hier folgt die kleine Helge-Aufklärungsgeschichte.

Die Nicht-Aufgeben-Floskeln kommen ja nicht nur von Unbeteiligten, sondern sogar aus den Reihen der ungewollt Kinderlosen – quasi frindly-fire. Das zeigt, dass es durch die Bank große Unsicherheit im Umgang mit den Schicksalen der ungewollt Kinderlosen gibt. Es ist wichtig, dass wir, die wir keine Kinder bekommen können, keine gesellschaftliche Randgruppe bleiben. Denn allein unsere schiere Zahl (knapp 2 Mio. ungewollt Kinderlose in Deutschland) macht deutlich, dass wir nicht wenige sind.

Gib nicht auf!

Damit sind wir auch schon beim Thema. Nach einer kurzen Exkursion im Bekanntenkreis oder auch im Netz über die jeweils letzte, gescheiterte Behandlung kommen Durchhalteparolen als Reaktion. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Mich setzt diese Einstellung „Du musst es nur lange genug versuchen, dann klappt das schon“ massiv unter Druck. Und, es ist so falsch, denn die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Wir können ja hier mal ausführlich mit einigen Statistiken jonglieren.

Jedes 6. bis 7. Paar benötigt für eine Schwangerschaft ärztliche Unterstützung. Dabei werden durchschnittlich 1,66 Zyklen pro Frau durchgeführt. Die Baby-take-home-rate liegt beispielsweise im Rahmen einer ICSI bei mageren 12,89% pro Versuch, die individuellen Problematiken noch nicht mal mitgezählt. Wenn ich nun aber rechne, dass in Deutschland 17.150 Geburten durch eine Kinderwunschbehandlung (IVF, ICSI, IVF/ICSI, Kryo) erreicht wurden und dafür 85.730 plausible Zyklen notwendig waren, liegt die Erfolgsquote bei 20% pro Versuch. Wenn wir nun einkalkulieren, dass eine Frau  durchschnittlich über 1,66 Zyklen behandelt wird, ist klar, dass 66,79% der Frauen die Kinderwunschbehandlung beenden, ohne ein Kind in den Armen zu halten. Neben diesen Frauen steht natürlich auch immer der/die Partner/in mit leeren Händen da.

Wenn nun alle Paare auch nach einem zweiten Zyklus weiter „durchhalten“ und „nicht aufgeben“, würde die Erfolgsquote dramatisch sinken – da bin ich mir sicher.

Es geht beim „Durchhalten“ also nicht darum, realistische Chancen zu nutzen, sondern die Glückstube auszuquetschen bis auch wirklich kein einziges Prozentpünktchen mehr übrig ist. Wie sehr die Beziehung, die eigene Psyche und der finanzielle Haushalt darunter leiden können, steht zu der Erfolgswahrscheinlichkeit in keinem Verhältnis. So ist jedenfalls meine Meinung.

Du musst dran glauben!

Mit Glauben hat das Ganze nichts zu tun, es lindert höchsten den eigenen Schmerz ein wenig. Die reproduktive Medizin ist keine Religion, sondern eine Behandlungsform, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Herr Prof. Dr. Georg Griesinger, Direktor der Universitären Kinderwunschzentren Lübeck und Manhagen, gesteht zudem sogar in einem Artikel auf Wunderweib.de (siehe unten) ein, dass die reproduktive Medizin bei aller Ärztekunst oft sehr frustrieren abläuft und geringere Erfolge erzielt, als viele andere Fachrichtungen.

Ihr müsst euch entspannen!

Dieser Ratschlag gehört zu den Klassikern. Jessy hat auf ihrem Youtube-Kanal einen wunderbaren Beitrag zu diesem Thema veröffentlicht. Schaut mal in diesen Ausschnitt rein:

Den gesamten Beitrag könnt ihr euch hier ansehen.

Genau das ist der Punkt. Nahezu alle Paare, die bemerken, dass sie Hilfe bei ihrem Kinderwunsch benötigen, haben bereits 1 bis 2 Jahre hinter sich, in denen sie schlicht nicht verhütet haben. Ganz ohne Stress und ganz ohne dem Bewusstsein, dass es Probleme mit dem eigenen Lebensentwurf geben könnte. Die Entspannung hat also bisher keinen Erfolg gehabt. Es ist außerdem utopisch anzunehmen, dass nach den folgenden Jahren der Behandlung wieder ein Zustand der Entspannung eintreten kann. Meist haben die Paare jahrelang Sex nach Plan, 3x täglich Tabletten geschluckt oder Spritzen gesetzt und die Ernährung umgestellt. Dabei kann man sich nicht entspannen. Jede Mahlzeit, jede Spritze und jedes Mal Liebe machen erinnern an die klinische Behandlung, das Fehlen eines Kindes und das drohende Scheiterns des eigenen Lebensentwurfes. Also kommt mir bitte nicht mit „Entspannt euch mal“!

Habt ihr es schon damit oder hiermit versucht? [rhetorische Frage]

Auch ein Ratschlag, der mich wütend machen kann. Was meint ihr, was wir hier machen?

Vielleicht gebe ich euch mal einen kleinen Eindruck: Wir haben ein Regal voll Literatur zu Fruchtbarkeit, Entspannungstechniken und Anatomie. Wir haben private Zusatzversicherungen für heilpraktische Behandlungen, die uns locker 1.850,00 € im Jahr kosten und damit noch günstiger sind, als die heilpraktischen Behandlungen selber. Wir haben chinesische, japanische und friesische Tees getrunken. Wir haben osteopathische Behandlungen genossen. Wir haben abgenommen. Wir machen Sport. Wir haben vegan gelebt, sogar mal glutenfrei und zuckerfrei. Wir haben zahlreiche Blutuntersuchungen machen lassen und sind topfit. Rieke wurde an den Eileitern operiert. Ich habe meiner Frau zahlreiche Fruchtbarkeitsmassagen verpasst. Insgesamt haben wir nun schon über sechs Jahre versucht, ein Baby zu bekommen. Wir haben also schon viel versucht – und, ja, es wird bestimmt noch etwas geben, was wir bisher nicht probiert haben. Und so wird es immer sein. Bitte erwartet nicht von mir, dass ich erst aufgebe, sobald ich alles, wirklich alles versucht habe.

Ich kenne aber jemand, bei dem hat es dann doch geklappt!

Zugegeben, es gibt viele unglaubliche Geschichten von Paaren, die ihren Kinderwunsch schon fast an den Nagel gehängt haben, dann aber doch noch (teilweise nach zehn erfolglosen Jahren) schwanger wurden und nun drei goldige Kinder haben. Das Internet ist ebenfalls voll von Erfolgsmeldungen, die schon keiner mehr erwartet hätte. Richtig. Doch jetzt kommt mein großes ABER!

Wir betrügen uns selber, wenn wir denken, dass ein solches Wunder jeden ereilen kann. So nach dem Motto: „Es hat bei so vielen Paaren geklappt, warum nicht auch bei uns?!“ Warum es bei uns (wahrscheinlich) nichts wird, liegt daran, dass nahezu alle erfolglosen Paare ihren Kinderwunsch aufgeben und ihm vollständig den Rücken kehren. Wenn ihr euch erinnert sind es ca. 66,79% der Frauen, die erfolglos in ärztlicher Behandlung waren. Sie verkehren nicht mehr in den Kinderwunsch- oder Familienforen, sie geben ihren Twitter- oder Facebookaccount auf, streichen #KiWu aus allen Signaturen und suchen nach einem neuen Lebensinhalt.

Es sind nur die erfolgreichen Paare (davon ja in der Regel auch nur die Frauen), die der Welt erzählen: „Gebt nicht auf! Denn wir sind plötzlich nach der zehnten ICSI schwanger geworden.“

Aber, wer weiß?!

Wir haben uns in den Kopf gesetzt, dass nach der dritten ICSI und gegebenenfalls möglichen Kryoversuchen Schluss ist. Schluss im Sinne von „wir gehen durchs Leben ohne Kinder. Wir sprechen gar von Verhütung um wirklich, wirklich abschließen und entspannen zu können. Das kann im September diesen Jahres bereits der Fall sein. Mit diesem Plan stoßen wir nicht überall auf Verständnis. „Gebt doch nicht so früh auf“ , „wer weiß, was Mutter Natur dann noch vollbringen würde“ und andere Rückmeldungen suggerieren, dass wir uns nicht ausreichend anstrengen, dass wir uns finanziell noch nicht ausreichend belasten, unser Nervenkonstrukt noch nicht abschließend zerhackt ist und uns gar nicht ausreichend ein Kind wünschen. Ich persönlich halte es für eine immense Leistung, wenn wir überhaupt noch die dritte ICSI schaffen. Ich denke jeder hat das Recht auf seine eigenen Grenzens. WIR müssen mit der Kinderlosigkeit leben, nicht ihr. Und jetzt kommt mir nicht mit dem Generationsvertrag…

…und wie sieht´s mit Adoption aus? Habt ihr daran mal gedacht?

Ach ja, die armen Kinder, um die sich niemand kümmern möchte… Dieses Thema lass ich jetzt mal unkommentiert. Dafür möchte ich einen eigenen Beitrag schreiben, der aber bald folgen wird.

Jetzt nöl‘ hier mal nicht so rum, was willst du denn eigentlich?

Wie ich schon zu Beginn erwähnte, will ich euch nicht vor den Kopf schlagen. Ich möchte erklären, wie ich (und vielleicht ja auch einige andere) ticken und warum manche Floskeln nicht den beruhigenden Effekt haben, den der Absender eigentlich erzielen wollte. Es freut mich sehr, wenn mein Gegenüber interessiert Fragen stellt und es ist auch aufmunternd, wenn mir viel Glück oder alles Gute gewünscht wird. Ein offenes Ohr ist mir tausendmal lieber, als ein abgedroschener Ratschlag.

Der unerfüllte Kinderwunsch ist bei den Betroffenen ein zentrales Thema. Es soll keinen Wunsch geben, der so intensiv ist, wie der Wunsch nach eigenen Kindern. Das hat nichts mit dem Verlangen nach dem neuen iPhone oder einem eigenen Hund zu tun. Mir ist es eine Herzensangelegenheit, dass Kinderwunschbehandlungen und Kinderlosigkeit in der Gesellschaft thematisiert werden. Denn: Wir sind viele! Zugegeben, diesen Satz habe ich von Isa vom Blog „Wonderland“ geklaut und hier in einen neuen Zusammenhang gestellt.

Ich wünsche mir, dass wir miteinander reden, dass Mütter, Väter und Unbeteiligte den ungewollt Kinderlosen Fragen stellen, dass die Betroffenen sich nicht in die Opferrolle begeben und über ihre Gefühle reden. Ich wünsche mir, dass jeder seinen individuellen Weg geht und dass dieser von anderen respektiert wird. Es soll sich niemand für seine Versuche ein Kind zu bekommen oder dies zu unterlassen schämen, niemand soll ausgegrenzt werden und niemand soll unverstanden sein.

Das war meine kleine Aufklärungsgeschichte. Was sagt ihr dazu? Kennt ihr die obigen Ratschläge? Habt ihr Fragen an mich? Wollt ihr selbst etwas von euch erzählen? Immer ab in die Kommentare damit!

27 Gedanken zu “Ratschläge sind auch Schläge

  1. Ich glaube mich zu erinnern mal einen ähnlichen Beitrag vor Jahren geschrieben zu haben und es ist leider immer noch so wahr.
    Wir waren damit sogar mal im TV zu sehen… leider kann ein Beitrag über wenige Minuten nur wenig ausrichten. Es gibt einfach nicht genügend Zeit um mal all die dummen Ratschläge ausreichend zu thematisieren 🙁

    Wir sind ja nun eines der Paare, die tatsächlich „nach langen Jahren“ (7) doch „ohne Hilfe plötzlich und überraschend“ (ja wirklich) schwanger wurden. Aber nicht, ich betone – nicht! – weil wir besonders entspannt waren, abgeschaltet haben oder sonst was. Unsere Chancen waren und sind nach wie vor schlecht. Unsere Baby-take-home Rate liegt außerdem immer noch bei Null, da das Schicksal uns quasi auf der Ziellinie vor die Füße gespuckt hat. Und immer wieder die guten Ratschläge „es hat nicht sollen sein“ und „wer weiß wofür es gut war“… gepaart mit „das klappt bestimmt wieder“ und „gebt jetzt bloß nicht auf!“ usw. Und jedes Mal dieses Gefühl eine verbale Ohrfeige zu bekommen, egal wie gut gemeint es auch gewesen sein mag.

    Soll übrigens von meinem Mann ausrichten das er das auch einfach nur so unterschreiben kann.

    Und, ein ehrlich gemeintes „Ich wünsche weiterhin viel Erfolg!“ von meiner Seite. Jeder geht seinen Weg und ich hoffe ihr findet euren, egal wie es letztendlich ausgeht. Meine Daumen sind gedrückt!

    • Liebe Martina,
      vielen Dank für die offenen, lieben und aufmunternden Worte. Natürlich kann ich mit meinem kleinen Blog keinen gesellschaftlichen Wandel hervorrufen, aber wenn jeder seinen kleinen Teil dazu beiträgt, kann es vielleicht was werden.
      Ratschläge gibt es nun wirklich genug, aber die eigentliche Dramatik liegt darin, dass Kinderwunschpatienten sich mit den Floskeln selber in die Tasche lügen.
      Ich bin für mehr Realismus unter den Patienten 😉
      Liebe Grüße an dich und natürlich auch an deinen Mann!

  2. Yvette schreibt:

    Traurigs Thema! Ich bin nicht in der Situation, aber kann deinen Ärger über die zahlreichen Ratschläge verstehen. Meine beste Freundin versucht seit zwei Jahren schwanger zu werden. Ich habe den Eindruck, dass sie bald mit den Besuchen in der Kinderwunschklinik aufhört. Mir fällt es schwer mich zu entscheiden, wie ich ihr diesbezüglich gegenübertreten soll. Es ist einfach ein zu persönliches und sensibles Thema. Ich sage meist gar nicht so viel dazu, nur wenn sie von alleine drüber redet und ich hoffe, sie findet das so in Ordnung.
    Danke für den Beitrag, er sensibilisiert Außenstehende sicher für das Thema.

    • Moin Yvette,
      ich kann deine Zurückhaltung verstehen. Mir persönlich ist es jedoch immer lieber, wenn Freunde mich offen ansprechen und fragen, ob ich über meinen Kinderwunsch sprechen will. Ich kann dann entscheiden, ob ich es möchte oder nicht. Von alleine will ich nicht jedem mein Leid klagen, aber auf Fragen reagiere ich offen und mitteilsam. Vielleicht ist das bei der Freundin ebenso. Frage sie einfach, sie wird dir bestimmt Antwort geben.
      Liebe Grüße, Helge!

  3. Frida schreibt:

    Danke für den Beitrag. Unser Problem lag anders (schwanger werden klappt ohne Unterstützung, schwanger bleiben leider auch mit nicht) fand das Buch „Ich bin eine Frau ohne Kinder“ hilfreich. Vielleicht hilft das um zu entscheiden, wie viel Kraft ihr noch einsetzen wollt/könnt.

  4. Mama Blume schreibt:

    Ein Thema, das mir schmerzlich aus der Seele spricht, wenn wir auch nicht so lange gebraucht haben und schon garnicht all die Wege gehen mussten wie Ihr. Wir hatten „nur“ 18 Monate (+6 Monate, in denen wir es einfach darauf ankommen liessen) gebraucht um „erfolgreich“ schwanger zu werden, aber unser Weg war gepflastert mit 4 frühen (zum Glück sehr früh, darf man sowas überhaupt sagen..??) Fehlgeburten und einer Eileiterschwangerschaft. Es klappte witzigerweise erst, als wir uns durchgerungen haben und einen Termin in der Kinderwunschklinik gemacht hatten, unsere Tochter ist nun heute genau 14 Monate alt. Es sollte eigentlich noch ein Geschwisterchen kommen aber ich bin nicht so sicher, ob ich das nochmal durchstehe. Emotional war das sehr hart und ich bin nicht sicher, das alles nochmal solange oder gar noch länger durchzustehen und doch komm ich mir grad so dumm mit diesen Gedanken vor, dass ich bei „nur“ 18 Monaten schon so rumjammere, 7 Jahre sind da schon eine ganz ganz andere Hausnummer. In diesen 18 Monaten allerdings haben auch wir uns vieles anhören müssen. Angefangen von den berühmten „Vielleicht klappt es ja, wenn Ihr…!“ über „Wenns einmal geklappt hat, klappts auch wieder!“ bis hin zu „Wer weiß, wozu das gut war!“ und nach der ELSS „Es war ja nur ein Zellhaufen und hätte doch eh nicht überleben können!“ *Autsch*.

    Ihr beide habt meinen vollsten Respekt dafür, dass Ihr es solange shcon immer wieder versucht. Ich wünsche Euch beiden von ganzem Herzen, dass auch Ihr bald ein (oder zwei 🙂 ) kleines Wunder in den Armen halten dürft <3

    Alles Gute weiterhin

    • Hallo Mama Blume,
      ich finde es gibt kein Maß an Leid, ab dem es erst berechtigt ist mit seinem „Schicksal“ zu hadern, traurig zu sein, was auch immer. Im Gegenteil, wir alle haben unseren individuellen Umgang mit Niederlagen und Enttäuschungen, da ist es nur fair jedem seine Emotionen zu lassen! Ich wünsche Euch für eure weitere Familienplanung alles Gute und ein möglichst empathisches Umfeld!

      • Mama Blume schreibt:

        Danke 🙂 Das empathische Umfeld wünsch ich mir auch 😉
        Und selbstverständlich auch Euch! Das habt Ihr Euch wirklich verdient.

        Natürlich hast Du recht, das eigene Schicksal ist einem selbst immernoch am nächsten weil es einen ja persönlich betrifft.

        Liebe Grüße, Mama Blume

  5. Miriam schreibt:

    Hallo Helge,
    Danke für Deinen Beitrag.
    Ich fühle mit Dir/ mit Euch. Wir waren genauso wie Ihr, fünf Jahre unseres Lebens damit beschäftigt, ein Kind zu bekommen.
    Durch eine schwere Erkrankung meines Mannes kamen wir sozusagen von Null direkt ins Kiwunschzentrum zur ICSI- alles durch, alle 3 Versuche einschließlich Kryoembryos usw.
    Ich kenne die Tortour, kenne all Euer Leid, den unglaublichen Schmerz und die Trauer und vor allem auch die Hilflosigkeit des Umfeldes.
    Aus dem Grund habe ich auch kaum mit jemandem darüber gesprochen, weil es für Außenstehende so schwer nachzuvollziehen ist, was man da durch macht…
    Ihr müsst Euren Weg für Euch finden, ob es Durchhalten, Pausen oder Abschied bedeutet.
    Mir haben konkrete Pausen unheimlich gut getan: zB ein ganzes Jahr OHNE Kinderwunschversuche.
    Die Hoffnung aufgeben wollte ich noch nicht, abschließen konnte ich nicht. Ich dachte immer „das ist noch zu früh, da geht noch irgendwas“.
    Letztenendes hat bei uns Plan B funktioniert und das Durchhalten hat sich tatsächlich ausgezahlt.
    Aber wer weiß das vorher schon?
    Wie oft habe ich mir gewünscht, ich könnte dem Schicksal in die Karten schauen, damit ich wenigstens einen Abschluss finde!
    Aber das geht nunmal nicht und das ist ja auch gut so, denn wer will schon wirklich wissen, was im Leben noch so (auch an unschönen Dingen) auf einen zukommt?!

    Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr die Kraft habt, Euren Weg zu gehen und damit Frieden zu finden- und wenn es noch 3 weitere ICSIs sind oder eben irgendwann ein Schlussstrich.
    Ich fühle wirklich mit Euch.
    Lasst Euch virtuell drücken von jemand, der Euer Leid und Euren Schmerz genau kennt!

    • Moin Miriam,
      vielen Dank für deine Geschichte und danke auch für die lieben Wünsche und Umarmungen. Darf ich fragen, was bei euch der Plan B war?
      Viele Grüße, Helge

      • Miriam schreibt:

        Hallo Helge,
        Unser Plan B war die heterologe Insemination.
        Aufgrund der Erkrankung meines Mannes waren die ICSIs nur mit vor der Behandlung meines Mannes kryokonservierten Spermien möglich und die Chancen von daher vielleicht von vornherein sogar noch geringer als sie ja – wie auch in den von Dir zitierten Statistiken zu sehen – ohnehin sind.
        Aber es sind ja doch Chancen.
        Viele Grüße und alles Gute weiterhin!

  6. Sabine schreibt:

    Super toller Artikel der mir direkt aus dem Herzen spricht!
    Wir haben unsere großes Glück dann letzten Endes durch die Adoption gefunden. Auf den Artikel über dieses Thema bin ich schon gespannt

  7. Beate schreibt:

    Wir waren 7 Jahre in der Situation. Es war zermürbend. Mein Favorit: Ihr müsst mal in Urlaub fahren. Dicht gefolgt von: Das klappt, wenn ihr gar nicht mehr damit rechnet. Den meisten ist überhaupt nicht bewußt, was für ein sensibles Thema das ist und wir haben unseren unerfüllten Kinderwunsch immer offen kommuniziert. Auch um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, daß es eben nicht selbstverständlich ist, einfach schwanger zu werden. Wir hatten einen sehr konkreten Plan B, für den Fall, dass wir kinderlos bleiben. Inzwischen haben wir Dank Reproduktionsmedizin 2 Kinder (ICSI, Kryo). Vor allem die erste Schwangerschaft war sehr angstbehaftet und ich konnte mir oft anhören, dass ich mich jetzt doch endlich mal freuen sollte. Das habe ich auch getan – als ich meinen Sohn nach einer schweren Geburt endlich gesund im Arm hatte. Ein unglaubliches, nicht zu beschreibendes Gefühl. Die Kinderwunschzeit, das ständige Hoffen und Bangen, die vielen Enttäuschungen und die Behandlungen, die mich physisch und psychisch an meine Grenzen gebracht haben – das alles ist nicht vergessen. Ich fühle mit euch und wünsche euch von ganzem Herzen, dass sich euer Kinderwunsch erfüllt und ihr keinen Plan B braucht.

    • Die Urlaubsfloskel ist auch echt übel. Aber es freut mich, dass es bei euch dann zum Kinderglück geführt hat. Die Sorgen in der Schwangerschaft kann ich mir gut vorstellen. Mir wäre es zwar zuwider, aber jedes unbekannte Zeichen würde mich vermutlich ebenfalls nervös machen.

  8. Sibylle schreibt:

    Hallo Helge,
    super Beitrag ich unterschreibe alles!
    Neben all deinen Ratschlägen hab ich mir bzw. wir uns in 5 Jahren KIWU noch angehört:

    Du wünscht es dir zu fest, wenn du weniger verbissen wärst….
    Du musst mehr beten, dann klappt das schon…
    Wie kann man nur so weit gehen ich finde Reproduktionsmedizin abartig…(wir haben eine IMSI gemacht, ist wie eine ICSI nur mit besserem Mikroskop)
    und ab und zu hat mir ein fremder bzw. fast fremder Mann seine „Hilfe“ angeboten, dass ich endlich zu Spermien komme die was taugen.
    Ich glaube eure Diagnose nicht wirst sehen das klappt einfach so…
    (Leider hat eine medizinische Diagnose auch im Kinderwunsch weder was mit Glauben noch mit Gott zu tun.)

    Die Schläge wie du sie nennst haben mehr als ein mal einfach nur weh getan und Wunden aufgerissen die noch nicht verheilt waren.
    Wir sind eines der glücklichen Paare bei denen am Ende mit Hilfe der Reproduktionsmedizin der Traum von Familie mit Kind wahr wurde. Unser kleiner Kryoprinz ist 10 Monate alt. Wir sind einfach nur dankbar ihn zu haben.
    Ich wünsche dir Helge und allen KIWU Paaren von Herzen alles Gute. Kämpft für euer Glück solange ihr daran glaubt und die Kraft dazu habt. Vergesst euch dabei aber nicht manchmal muss man ein Ziel aufgeben um nicht verrückt zu werden.

    • Hallo Sibylle,
      deine Beispiele sind so skurril, dass ich es kaum glauben kann. Mehr beten, nicht so verbissen, abartige Reproduktionsmedizin und „willste meine Superheld-Macho-Spermien“? Hammer. Das kann alles nicht wahr sein… Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sich schlapp lachen. Wenn ich so deine Beispiele lese, sehe ich ein, ich jammere hier auf hohem Niveau.
      Danke für deinen Beitrag und viele Grüße,
      Helge

  9. Prinzessin schreibt:

    Lieber Helge,

    schon der Titel dieses Beitrages bringt es auf den Punkt. Am Anfang kann man mit Ratschläge vielleicht sogar noch was anfangen, aber je länger eine Behandlung dauert, desto verletzender können diese sein.

    Ich höre des Öfteren „Das wird schon noch“, und mittlerweile reagiere ich darauf fast schon aggressiv. NEIN, WIRD ES NICHT!!! Als ob man nur drauf warten müsste… Ich will meinen lieben Mitmenschen dabei noch nicht mal etwas Böses unterstellen, die wissen meist einfach nichts anderes zu sagen. Aber diese Floskeln helfen überhaupt nicht weiter. Genauso wie „Ich wünsche es euch so sehr“. JA, WIR UNS AUCH! Aber vom Wünschen werde ich nicht schwanger!

    Meine Schwägerin kam neulich mit dem berühmten „Es gibt doch viele Paare, die haben alles versucht, dann einen Hund angeschafft, dann Pflege bzw. Adoption bestellt und dann doch schwanger…“ Arrghhh!!! Ja klar, das ist die Lösung! Obwohl wir in der Tat zwei befreundete Paare haben, die außerhalb der Behandlungen natürlich schwanger geworden sind, das eine Paar sogar zweimal. Oder der Kollege meines Mannes, die nach zahlreichen erfolglosen Versuchen ein Kind adoptiert haben und noch ein eigenes bekommen haben. Gibt es also wirklich. Aber ich schließe mich davon aus. Ich mag nicht mehr dran glauben. Es ist mir zu anstrengend, mir in jedem Zyklus Hoffnungen zu machen.

    Auf Adoption werden wir auch gelegentlich angesprochen. Auch davon haben die meisten null Ahnung. Mal abgesehen davon, dass es für uns nicht in Frage kommt (dazu schreibe ich gern mehr, wenn du deinen ansprechenden Beitrag verfasst ;-)), wissen die meisten nicht, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wie da die Chancen auf ein Kind sind. Die gucken dann doof, wenn man es ihnen mal vor Augen führt.

    Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, wie weit man als Paar geht. Eine individuelle Grenze sollte sich aber jeder setzen. Für uns ist nach der 3. ICSI noch nicht Schluss. Wir haben uns eine Altersgrenze gesetzt. Spätestens ab 40 werde ich keine KiWu-Behandlung mehr machen. Bis dahin planen wir mit einem Versuch pro Jahr, ohne dass wir uns finanziell extrem einschränken müssen. Ich bin der Meinung, dass ich aufgrund meines zarten Alters von aktuell 35 sowieso schon mal länger zum Schwangerwerden brauche. Außerdem empfinde ich drei Transfere auch noch nicht so viel. Da wir nie etwas zum Kryokonservieren übrig hatten, entspricht bei uns jede ICSI einem Transfer. Und wenn ich dem IVF-Register trauen darf und die kumulative Geburtenrate nach sechs Therapiezyklen 72 % übersteigt, dann habe ich noch berechtigte Hoffnung. Vielleicht rechne ich mir aber auch alles nur schön ;-).

  10. Ach Helge, wie Recht du hast! Wir hatten 3 ICSIs inkl. einer Fehlgeburt. Was diese Zeit und die Erfahrungen aus einem machen, können sich nur ebenfalls Betroffene vorstellen. Diese Zeit war so ätzend, das daran beinah alles zerbrochen wäre, vor allem meine Seele. In ein paar Wochen werden wir nun dank einer Leihmutter Eltern. Vorgestern war ich beim Friseur, die kennen unsere Geschichte auch. Da sagte die Friseurin zu mir: „Ach, wenn eure Zwillinge jetzt da sind wirste mal sehen wie schnell du plötzlich selbst schwanger bist und ihr ein drittes bekommt“. Ähm nee, ist klar! Wir hatten fünf Jahre ganz entspannte „Kuschelzeiten“ ohne Druck und ohne Verhütung, dann 3 ICSIs, sämtliche Dinge mitgenommen die man nur so haben kann im Land der Unfruchtbaren und am Ende sogar eine Leihmutter beauftragt. Aber stimmt, ich werde ganz sicher am Ende des Jahres selbst schwanger sein. Man o man! Was manche Leute sich abhalten, oder?

    Ihr werdet schon wissen wie weit ihr gehen wollt oder eben auch nicht mehr gehen wollt. Ich wünsche euch -unabhängig von eurer Wahl- viel Liebe und viel Kraft für den zukünftigen Weg.

    Janine

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