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Gesellschaftlich

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Kinderlosigkeit ist wie Schnupfen

14.05.2017
Helge hat Schnupfen

Neulich waren wir bei Freunden zu Besuch, um einen Blick auf ihren neugeborenen Sohn zu werfen.

Wir frühstückten und quatschten ausgiebig, alles war entspannt. Wir redeten über Urlaub, Camping, Wohnungseinrichtung und kamen – natürlich – auf Kinder und ihre Ernährung zu sprechen. Unsere Freundin hatte ihr Kind knapp 8 Wochen zu früh geboren und zu dem Zeitpunkt noch keinen Milcheinschuss. Daher griff sie zu Säuglingsnahrung. Weiterlesen…

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Childless not by choice? No chance!

09.04.2017
Helges Erlebnis auf einer Hochzeit

Letzte Woche durfte ich mal wieder eine typische Situation erleben, vielleicht kennt ihr sie auch. Da kommt man gut gelaunt auf eine Hochzeit, wird einem Tisch zugewiesen und stellt fest, die gesamte Runde noch nie gesehen zu haben. Na gut, lernt man halt neue Gesichter kennen.

Doch noch vor dem ersten, von sicher zahllosen weiteren Vorträgen, wird man vom Nachbarsmann gefragt, wo denn die eigenen Kinder wären. „Wir haben keine“, ist meine knappe Antwort. „Ach so. Mmh.“ Kurze Pause. „Die kommen schneller als man denkt. Manchmal wünsche ich mir auch, wir hätten mit den Kinder noch ein bisschen gewartet. Meine Frau hatte noch ein gutes Jobangebote, wollte aber nicht wechseln, wegen der Probezeit“, kommt der Kommunikationsball wieder zurück geflogen. Puh, das wird ja langsam Kinderwunsch-Ping Pong. Weiterlesen…

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Leihmutterschaft – Der einfache Weg zum Wunschkind

07.03.2017
Helges Gedanken zu Leihmutterschaft

Im Laufe meines Kinderwunsches habe ich Grenzen übertreten, die ich vorher für unüberwindlich hielt. Jetzt, wo nahezu auszuschließen ist, dass meine Frau selbst ein Kind austragen kann, habe wir den Blick wieder schweifen lassen. Wir haben in der Kinderwunsch-Landschaft nach anderen Wegen geschaut und eine neuen Grenze entdeckt, die zur Leihmutterschaft.

Der Weg zu eigenen Kindern kann lang sein. Bei uns begann er mit einem wagen „Lass uns mal die Pille absetzen“, schlängelte sich vorbei am ersten Frust, Untersuchungen beim Frauenarzt, einem Besuch beim Urologen, ersten Hormonpräparaten, Ernährungsumstellungen, Temperaturmessung, Sex nach Plan und führte dann zu einer Kinderwunsch-Klinik. Als auch dort die ersten Operationen und IUIsIntrauterine Insemination keine Resultate brachten, blieb nur eine ICSIIntrazytoplasmatische Spermieninjektion.

Erst nachdem diese erfolglos war, stand plötzlich die Frage im Raum: Wollen wir ein Kind adoptieren? Diese Frage haben wir für uns verneint. Einige der Gründe habe ich schon verbloggt. Doch bei dieser Möglichkeit bleibt es in der heutigen Zeit nicht mehr.

Die weitere Alternative: eine Leihmutter.

Ich frage mich, wie weit möchte ich gehen, um meinen Traum von eigenen Kindern zu verwirklichen. Welche Aspekte und Umstände würde solch ein Verfahren mit sich bringen. Kann ich es ethisch und moralisch vertreten? Puh, das Thema ist komplex, anspruchsvoll und muss wohl ausführlicher behandelt werden.

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…aber ihr könnt doch adoptieren

13.03.2016
Helge mit Adoptivkindern

In meinem letzten Beitrag ging es um lieb gemeinte Ratschläge, die weniger helfen als schmerzen. Dabei kam ich auch auf die Floskel „Aber ihr könnt doch adoptieren“ zu sprechen. Dieses Thema möchte ich gern nach meinem Standpunkt genauer ausgeführen.

Der Ratschlag, man könne doch adoptieren wirft unseren Kinderwunsch in einen Topf mit einer Adoption. Die logische Folge lautet scheinbar: Zuerst versucht man es mit unverhütetem Sex, danach wird die reproduktivmedizinisch unterstützte Behandlung ausgereizt, bevor dann die Adoption als adäquates Mittel zur Befriedigung des Kinderwunsches herhält. Diese Liste ließe sich vermutlich noch um den Punkt, sich als Pflegeeltern zur Verfügung zu stellen, ergänzen.

Der Wunsch sich fortzupflanzen

Für uns ist die Adoption jedoch ein völlig losgelöstes Thema. Nicht uninteressant, aber auch nicht im gleichen Atemzug mit unserem Kinderwunsch zu nennen. Wir sehnen uns – ganz egoistisch – nach einem Kind, in dem wir uns wiederfinden können, das eine Verschmelzung unserer genetischen Anlagen in sich trägt. Ich liebe meine Frau und finde, dass die Welt eine kleine Ausgabe von ihr gut gebrauchen könnte. Wenn ein wenig von mir ebenfalls in dem kleinen Wesen aufblitzt, wäre es für die Welt (hoffentlich) auch nicht zum Nachteil. Der Wunsch nach einem Kind hängt mit unserer Evolution zusammen, mit dem Trieb sich fortzupflanzen.

Ein Kind zu adpotieren bedeutet sicher auch Familie sein zu können, einem kleinen Wesen den Weg in diese Welt zu weisen, gemeinsame Werte zu vermitteln. Doch der Absender des Ratschlags berücksichtigt nicht, welche evtl. Schwierigkeiten im Leben mit einem Adoptivkind schlummern, welche Themen die Erziehung eines adoptierten Kindes bereithält. Besonders in der Pubertät beginnt ein Kind seinen Standpunkt zu entwickeln, seine eigene Basis zu stärken, sich zu verorten, seine Grundsätze zu formen, die eigenen Eltern in Frage zu stellen. Nur wer sind die eigenen Eltern? Dass in dieser Phase grundlegende Zweifel aufkommen, ist wahrscheinlich, da die Fragen „Wo komme ich eigentlich her?“ und „Warum erkenne mich in meinen Eltern nicht wieder?“ nicht vollständig beantwortet werden können. Für ein leibliches Kind sind diese Krisen vermutlich anders, wenn nicht gar leichter, zu bewältigen – wie auch für die Eltern.

Ein Familienleben mit eigenen oder Adoptivkindern sind für mich zwei unterschiedliche Paar Schuhe.

Ob das so stimmt, weiß ich nicht, aber diese Gedanken schwirren mir bei der Frage nach einer Adoption im Kopf herum. Das Leben mit einem adoptierten Kind wäre, jedenfalls für mich, ein anderes. Das scheint jedoch in dem Ratschlag „Aber ihr könnt doch adoptieren“ keine Berücksichtigung zu finden.

Adoptieren, um zu helfen?

„Aber ihr könnt doch adoptieren“ beinhaltet manchmal auch die Auffassung, dass Horden von Kindern, die von verantwortungslosen Eltern ausgesetzt und ausgestoßen wurden, nur sehnlichst darauf warten endlich von potentiellen Adoptiveltern in eine liebevolle und gut situierte Famile aufgenommen zu werden. Wenn diese Vorstellung stimmen würde, könnten wir ja eigentlich gleich Montag zu IKEA fahren, die Einrichtung für das Kinderzimmer einkaufen und danach ein dazu passendes Kind auswählen. Dass hier aber Vorstellung und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen, zeigen die folgenden Zahlen.

Im Jahr 2014 waren 5.765 Adoptionsbewerbungen vorgemerkt, denen 3.805 zu adoptierende Kinder und Jugendliche gegenüberstanden. Das sieht auf den ersten Blick recht erfolgversprechende aus, denn auf jedes Kind bzw. jeden Jugendlichen kommen nur 1,5 Bewerbungen. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass über 60% der Adoptionen von Verwandten oder Stiefeltern angenommen wurden, steht die eigene Bewerbung plötzlich in Konkurrenz zu 3,9 anderen Bewerbungen. Die Wahrscheinlichkeit ein Kind oder Jugendlichen adoptieren können liegt somit nur bei 25,9%. Wenn nun  noch persönliche Vorlieben, wie z.B. Alter zwischen 1-2 Jahren, deutsch, keine Frühgeburt, berücksichtigt werden sollen, bewegt man sich schnell im einstelligen Prozentbereich.

Dass eine Adoption eine selbstlose Hilfe für arme, verwaiste Kinder darstellt, ist scheinbar eine weitverbreitete Annahme. Dabei muss sich niemand aufopfern, um die armen Kindern zu adoptieren. Die Schlangen von willigen Paaren sind lang und für jedes zu adoptierende Kind wurde in Deutschland bisher ein Elternpaar gefunden. Man könnte in diesem Zusammenhang auch von „Nachfrage“ sprechen, aber dann stempelt ihr mich vermutlich endgültig als emotionslos ab.

Sich für eine Adoption zu entscheiden bedeutet demnach, sich auf die Ungewissheit einzulassen. Nicht zu wissen, ob man eine Familie gründen kann. Es ist mit viel Zeit verbunden – Zeit der Vorbereitung und Zeit des Wartens. In meiner Vorstellung ist es dem unerfüllten Kinderwunsch nicht fern: Hoffen, bangen und der Ausgang ist ungewiss. Ich vermute auch eine Entscheidung zur Adption braucht viel Energie und Kraft.

Grundsätzlich bin ich ein großer Befürworter des Systems, nach dem in Deutschland Adoptionsverfahren durchgeführt werden. Paare ohne Kinder, aber mit dem Wunsch nach einem Familienleben, haben die Möglichkeit sich diesen Wunsch zu erfüllen. Kinder, deren Eltern nicht imstande sind, sich ausreichend zu kümmern, bekommen eine aussichtsreiche Alternative geboten. Auch Eltern oder alleinlebenden Müttern wird ein legaler Weg aufgezeigt, ihr Kind in eine umsorgte Zukunft zu geben, wenn sie selber ihrem Kind keinen ausreichenden Schutz bieten können. Auch wenn die Verfahren viel von den zukünftigen Adoptiveltern abverlangen, sind sie in meinen Augen notwendig, um einen verantwortungsvollen Umgang mit jungen Existenzen zu gewährleisten.

Ihr seht, eine Adoption ist in meinen Augen nicht unproblematisch und kommt für uns zur Zeit nicht in Frage. Unseren Wunsch nach (genetischer) Verschmelzung wird durch das Adoptieren eines Kindes nicht erfüllt, der bürokratische Aufwand schreckt uns ab und mögliche Identitätskrisen machen uns (ein wenig) Angst. Mal abgesehen davon: Warum kann die Alternative denn nicht auch einfach Kinderfreiheit sein?

Die Statistiken zur Adoption in Deutschland entstammen den Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe „Adoptionen 2014“ vom 29.09.2015 des Statistischen Bundesamtes.
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Ratschläge sind auch Schläge

17.02.2016
Helges Kinderwunsch Ratschläge

Seit nunmehr sechs Jahren verfolge ich mit meiner Frau den gemeinsamen Kinderwunsch. Wir gehen mit unseren Niederlagen offen um, wenn wir mal Riekes Arbeitgeber außen vor lassen, und stellen uns jeder Diskussion. Erstaunlicherweise werde ich nun urplötzlich dünnhäutig. Mag sein, dass es daran liegt, dass ein gewisser Frustpegel in der Behandlung erreicht ist, kann aber auch sein, dass ich manche Debatten mittlerweile einfach leid bin. Es handelt sich dabei um Ratschläge. Ratschläge, die unweigerlich als Reaktion auf meine Kinderwunschgeschichten folgen.

Haltet durch!

Ihr merkt es bereits, die ewigen Durchhalteparolen werden mein heutiges Thema sein.

Eines möchte ich aber noch vorwegschicken: Ich vermute, dass ich einigen von euch mit diesem Artikel auf die Füße trete, daher sei hier nochmal deutlich gesagt, dass ich eure Anteilnahme schätze und weiß, dass ihr trösten oder mich aufbauen wollt. Dass die gut gemeinten Ratschläge völlig entgegengesetzte Gefühle auslösen, könnt ihr vermutlich gar nicht ahnen. Bis jetzt, denn hier folgt die kleine Helge-Aufklärungsgeschichte.

Die Nicht-Aufgeben-Floskeln kommen ja nicht nur von Unbeteiligten, sondern sogar aus den Reihen der ungewollt Kinderlosen – quasi frindly-fire. Das zeigt, dass es durch die Bank große Unsicherheit im Umgang mit den Schicksalen der ungewollt Kinderlosen gibt. Es ist wichtig, dass wir, die wir keine Kinder bekommen können, keine gesellschaftliche Randgruppe bleiben. Denn allein unsere schiere Zahl (knapp 2 Mio. ungewollt Kinderlose in Deutschland) macht deutlich, dass wir nicht wenige sind.

Gib nicht auf!

Damit sind wir auch schon beim Thema. Nach einer kurzen Exkursion im Bekanntenkreis oder auch im Netz über die jeweils letzte, gescheiterte Behandlung kommen Durchhalteparolen als Reaktion. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Mich setzt diese Einstellung „Du musst es nur lange genug versuchen, dann klappt das schon“ massiv unter Druck. Und, es ist so falsch, denn die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Wir können ja hier mal ausführlich mit einigen Statistiken jonglieren.

Jedes 6. bis 7. Paar benötigt für eine Schwangerschaft ärztliche Unterstützung. Dabei werden durchschnittlich 1,66 Zyklen pro Frau durchgeführt. Die Baby-take-home-rate liegt beispielsweise im Rahmen einer ICSI bei mageren 12,89% pro Versuch, die individuellen Problematiken noch nicht mal mitgezählt. Wenn ich nun aber rechne, dass in Deutschland 17.150 Geburten durch eine Kinderwunschbehandlung (IVF, ICSI, IVF/ICSI, Kryo) erreicht wurden und dafür 85.730 plausible Zyklen notwendig waren, liegt die Erfolgsquote bei 20% pro Versuch. Wenn wir nun einkalkulieren, dass eine Frau  durchschnittlich über 1,66 Zyklen behandelt wird, ist klar, dass 66,79% der Frauen die Kinderwunschbehandlung beenden, ohne ein Kind in den Armen zu halten. Neben diesen Frauen steht natürlich auch immer der/die Partner/in mit leeren Händen da.

Wenn nun alle Paare auch nach einem zweiten Zyklus weiter „durchhalten“ und „nicht aufgeben“, würde die Erfolgsquote dramatisch sinken – da bin ich mir sicher.

Es geht beim „Durchhalten“ also nicht darum, realistische Chancen zu nutzen, sondern die Glückstube auszuquetschen bis auch wirklich kein einziges Prozentpünktchen mehr übrig ist. Wie sehr die Beziehung, die eigene Psyche und der finanzielle Haushalt darunter leiden können, steht zu der Erfolgswahrscheinlichkeit in keinem Verhältnis. So ist jedenfalls meine Meinung.

Du musst dran glauben!

Mit Glauben hat das Ganze nichts zu tun, es lindert höchsten den eigenen Schmerz ein wenig. Die reproduktive Medizin ist keine Religion, sondern eine Behandlungsform, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Herr Prof. Dr. Georg Griesinger, Direktor der Universitären Kinderwunschzentren Lübeck und Manhagen, gesteht zudem sogar in einem Artikel auf Wunderweib.de (siehe unten) ein, dass die reproduktive Medizin bei aller Ärztekunst oft sehr frustrieren abläuft und geringere Erfolge erzielt, als viele andere Fachrichtungen.

Ihr müsst euch entspannen!

Dieser Ratschlag gehört zu den Klassikern. Jessy hat auf ihrem Youtube-Kanal einen wunderbaren Beitrag zu diesem Thema veröffentlicht (leider hat sie ihn auf „Privat“ geschaltet, daher kann ich ihn euch nicht mehr zeigen). Sie sagt sinngemäß:

Wir müssen uns nur entspannen? Mäuschen, wir haben das schon alles durch. Wir haben entspannt -> keine Kinder. Wir haben uns gestresst -> keine Kinder. Wir haben Urlaub gemacht -> keine Kinder.

Und genau das ist der Punkt. Nahezu alle Paare, die bemerken, dass sie Hilfe bei ihrem Kinderwunsch benötigen, haben bereits 1 bis 2 Jahre hinter sich, in denen sie schlicht nicht verhütet haben. Ganz ohne Stress und ganz ohne dem Bewusstsein, dass es Probleme mit dem eigenen Lebensentwurf geben könnte. Die Entspannung hat also bisher keinen Erfolg gehabt. Es ist außerdem utopisch anzunehmen, dass nach den folgenden Jahren der Behandlung wieder ein Zustand der Entspannung eintreten kann. Meist haben die Paare jahrelang Sex nach Plan, 3x täglich Tabletten geschluckt oder Spritzen gesetzt und die Ernährung umgestellt. Dabei kann man sich nicht entspannen. Jede Mahlzeit, jede Spritze und jedes Mal Liebe machen erinnern an die klinische Behandlung, das Fehlen eines Kindes und das drohende Scheiterns des eigenen Lebensentwurfes. Also kommt mir bitte nicht mit „Entspannt euch mal“!

Habt ihr es schon damit oder hiermit versucht? [rhetorische Frage]

Auch ein Ratschlag, der mich wütend machen kann. Was meint ihr, was wir hier machen?

Vielleicht gebe ich euch mal einen kleinen Eindruck: Wir haben ein Regal voll Literatur zu Fruchtbarkeit, Entspannungstechniken und Anatomie. Wir haben private Zusatzversicherungen für heilpraktische Behandlungen, die uns locker 1.850,00 € im Jahr kosten und damit noch günstiger sind, als die heilpraktischen Behandlungen selber. Wir haben chinesische, japanische und friesische Tees getrunken. Wir haben osteopathische Behandlungen genossen. Wir haben abgenommen. Wir machen Sport. Wir haben vegan gelebt, sogar mal glutenfrei und zuckerfrei. Wir haben zahlreiche Blutuntersuchungen machen lassen und sind topfit. Rieke wurde an den Eileitern operiert. Ich habe meiner Frau zahlreiche Fruchtbarkeitsmassagen verpasst. Insgesamt haben wir nun schon über sechs Jahre versucht, ein Baby zu bekommen. Wir haben also schon viel versucht – und, ja, es wird bestimmt noch etwas geben, was wir bisher nicht probiert haben. Und so wird es immer sein. Bitte erwartet nicht von mir, dass ich erst aufgebe, sobald ich alles, wirklich alles versucht habe.

Ich kenne aber jemand, bei dem hat es dann doch geklappt!

Zugegeben, es gibt viele unglaubliche Geschichten von Paaren, die ihren Kinderwunsch schon fast an den Nagel gehängt haben, dann aber doch noch (teilweise nach zehn erfolglosen Jahren) schwanger wurden und nun drei goldige Kinder haben. Das Internet ist ebenfalls voll von Erfolgsmeldungen, die schon keiner mehr erwartet hätte. Richtig. Doch jetzt kommt mein großes ABER!

Wir betrügen uns selber, wenn wir denken, dass ein solches Wunder jeden ereilen kann. So nach dem Motto: „Es hat bei so vielen Paaren geklappt, warum nicht auch bei uns?!“ Warum es bei uns (wahrscheinlich) nichts wird, liegt daran, dass nahezu alle erfolglosen Paare ihren Kinderwunsch aufgeben und ihm vollständig den Rücken kehren. Wenn ihr euch erinnert sind es ca. 66,79% der Frauen, die erfolglos in ärztlicher Behandlung waren. Sie verkehren nicht mehr in den Kinderwunsch- oder Familienforen, sie geben ihren Twitter- oder Facebookaccount auf, streichen #KiWu aus allen Signaturen und suchen nach einem neuen Lebensinhalt.

Es sind nur die erfolgreichen Paare (davon ja in der Regel auch nur die Frauen), die der Welt erzählen: „Gebt nicht auf! Denn wir sind plötzlich nach der zehnten ICSI schwanger geworden.“

Aber, wer weiß?!

Wir haben uns in den Kopf gesetzt, dass nach der dritten ICSI und gegebenenfalls möglichen Kryoversuchen Schluss ist. Schluss im Sinne von „wir gehen durchs Leben ohne Kinder. Wir sprechen gar von Verhütung um wirklich, wirklich abschließen und entspannen zu können. Das kann im September diesen Jahres bereits der Fall sein. Mit diesem Plan stoßen wir nicht überall auf Verständnis. „Gebt doch nicht so früh auf“ , „wer weiß, was Mutter Natur dann noch vollbringen würde“ und andere Rückmeldungen suggerieren, dass wir uns nicht ausreichend anstrengen, dass wir uns finanziell noch nicht ausreichend belasten, unser Nervenkonstrukt noch nicht abschließend zerhackt ist und uns gar nicht ausreichend ein Kind wünschen. Ich persönlich halte es für eine immense Leistung, wenn wir überhaupt noch die dritte ICSI schaffen. Ich denke jeder hat das Recht auf seine eigenen Grenzens. WIR müssen mit der Kinderlosigkeit leben, nicht ihr. Und jetzt kommt mir nicht mit dem Generationsvertrag…

…und wie sieht´s mit Adoption aus? Habt ihr daran mal gedacht?

Ach ja, die armen Kinder, um die sich niemand kümmern möchte… Dieses Thema lass ich jetzt mal unkommentiert. Dafür möchte ich einen eigenen Beitrag schreiben, der aber bald folgen wird.

Jetzt nöl‘ hier mal nicht so rum, was willst du denn eigentlich?

Wie ich schon zu Beginn erwähnte, will ich euch nicht vor den Kopf schlagen. Ich möchte erklären, wie ich (und vielleicht ja auch einige andere) ticken und warum manche Floskeln nicht den beruhigenden Effekt haben, den der Absender eigentlich erzielen wollte. Es freut mich sehr, wenn mein Gegenüber interessiert Fragen stellt und es ist auch aufmunternd, wenn mir viel Glück oder alles Gute gewünscht wird. Ein offenes Ohr ist mir tausendmal lieber, als ein abgedroschener Ratschlag.

Der unerfüllte Kinderwunsch ist bei den Betroffenen ein zentrales Thema. Es soll keinen Wunsch geben, der so intensiv ist, wie der Wunsch nach eigenen Kindern. Das hat nichts mit dem Verlangen nach dem neuen iPhone oder einem eigenen Hund zu tun. Mir ist es eine Herzensangelegenheit, dass Kinderwunschbehandlungen und Kinderlosigkeit in der Gesellschaft thematisiert werden. Denn: Wir sind viele! Zugegeben, diesen Satz habe ich von Isa vom Blog „Wonderland“ geklaut und hier in einen neuen Zusammenhang gestellt.

Ich wünsche mir, dass wir miteinander reden, dass Mütter, Väter und Unbeteiligte den ungewollt Kinderlosen Fragen stellen, dass die Betroffenen sich nicht in die Opferrolle begeben und über ihre Gefühle reden. Ich wünsche mir, dass jeder seinen individuellen Weg geht und dass dieser von anderen respektiert wird. Es soll sich niemand für seine Versuche ein Kind zu bekommen oder dies zu unterlassen schämen, niemand soll ausgegrenzt werden und niemand soll unverstanden sein.

Das war meine kleine Aufklärungsgeschichte. Was sagt ihr dazu? Kennt ihr die obigen Ratschläge? Habt ihr Fragen an mich? Wollt ihr selbst etwas von euch erzählen? Immer ab in die Kommentare damit!