Interview, Mein Weg

Helge trifft Mona Lisa

09.06.2017
Helge trifft Mona Lisa

Da öffnet man – nichts ahnend – das Mailpostfach und plötzlich liegt da eine Anfrage von einem TV-Magazin. Und nicht nur von irgendeinem RTL2-Format, sondern vom ZDF. Im ersten Moment war ich sprachlos. Das ZDF-Magazin Mona Lisa will ein Interview mit mir und Rieke drehen. Ich meine… das ZDF… eine Reichweite, die nicht so überschaubar ist, wie mit meinem kleinen Blog hier. Wer wird uns dann – durch Zufall – sehen können? Der Postbote, meine neuen Nachbarn, mein Chef? Nach einigem Beschnuppern haben wir uns dann aber entschieden, uns auf das Abenteuer einzulassen. So kam es, dass eines Tages ein Team vom ZDF vor unserer Tür stand und wir ihnen intime Einblicke in unsere Baustelle und unser Leben gewährt haben.

In den Vorgesprächen haben wir den Wunsch geäußert, dass wir mit unserem Schicksal nicht so sehr im Vordergrund stehen, sondern eher die gesellschaftlichen Facetten eines ungewollt kinderlosen Lebens thematisieren wollten. Die Sendezeit ist jedoch auf 5 Minuten begrenzt, daher war klar, dass es wohl nur oberflächlich sein wird. Aber dennoch, es soll im Kern darum gehen, das Thema „ungewollte Kinderlosigkeit“ in die Öffentlichkeit zu bringen.

In unserem Alltag stoßen wir immer wieder auf Situationen, in denen unsere Gegenüber davon ausgehen, dass ein Ehepaar mit Mitte 30 und Haus Kinder zu haben hat. Daraus entwickeln sich oft Gespräche, in denen wir uns rechtfertigen müssen, nicht weitere Behandlungen versucht zu haben. Eine echte Offenheit unserem jetzigen Lebensmodell gegenüber, erlebe ich selten. Ich habe über diese Situationen schon einen Beitrag geschrieben. Vor allem aber wollen wir diejenigen stärken, die einfach „nur“ unsicher sind, nicht wissen wie sie reagieren sollen, Angst haben das Falsche zu sagen, selbst bei ihren engsten Angehörigen.

Um etwas zu ändern, ist es aus meiner Sicht eine gesellschaftliche Normalität von Kinderlosigkeit notwendig. Die erreichen wir wohl nur indem wir das Thema immer wieder in die Öffentlichkeit hieven. Dies ist auch unser Anliegen bei dem Interview-Dreh mit dem ZDF gewesen.

Was daraus geworden ist, könnt ihr hier sehen (Helge heißt im wahren Leben übrigens Johannes):

Auch wenn es ein absolut merkwürdiges Gefühl ist, sich selber im Fernsehen zu sehen, sind wir mit dem Beitrag grundsätzlich zufrieden. Zum Glück, denn es haben knapp 1 Mio. Menschen zugesehen (die Mediathek noch nicht mitgerechnet). Wir mussten aber feststellen, dass in 5 Minuten keine großen gesellschaftlichen Probleme bearbeitet werden können. So ist es halt doch eher ein Bericht über unser persönliches Schicksal geworden.

Witzig ist allerdings, dass ich schon von nahezu fremden Menschen angesprochen wurde. „Ich habe dich im Fernsehen bei Mona Lisa gesehen, komm lass dich umarmen“, tönt es mir dann entgegen. Hmm… diese Mitleidsnummer haben damit definitiv nicht starten wollen. Aber, es gibt auch Gespräche, in denen uns für unsere Offenheit gedankt wird.

Mich würde aber brennend interessieren, wie euch der Beitrag gefällt.

12 Antworten

  • Reply Anonymous 22.11.2017 at 16:04

    Natürlich Bericht angesehen und daher gibt es gleich noch mal ein Daumen hoch 🙂 Mein Mann und ich haben ja selbst 9 Jahre lang warten müssen, bis wir endlich mit dem Kinderwunsch abschließen konnten. Wobei dieser eben erfolgreich verlief. Was ich nicht ganz verstehe ist die Sache mit der Adoption. Vielleicht bin ich falsch informiert, aber so lange dauert es ‚eigentlich‘ gar nicht. Die größte Hürde ist wohl eher ob man geeignet ist oder nicht, ein Kind zu adoptieren. Und dann wäre da noch die Möglichkeit als dauerhafte Pflegefamilie zu agieren. Dauerhaft bedeutet permanent und das Kind wird einem NICHT mehr weggenommen, sondern bleibt. Anders als bei einer ‚Pflegestelle‘ die nicht permanent ist. Vielleicht doch noch eine Option? Wobei ich verstehen kann, wenn man sich dazu entscheidet das Thema für sich so zu beenden, dass man gut damit leben kann. Aber ich denke mir: Solange der Wunsch noch da ist … kann man ja ab und an mal schauen, ob er sich nicht ‚ganz zwanglos‘ erfüllen lässt 🙂
    Lg Tally

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