Blogparade

Umgang mit Downs auf der Arbeit [Blogparade]

01.11.2015
Kinderwunsch-Downs im Büro

Während ich auf dem Weg ins Büro im Bus mit den Tränen ringe, den Kampf zu verlieren drohe und mir überlege, wie ich den Tag bloß überstehen soll, schießt mir ein gut gemeinter Ratschlag durch den Kopf:

Geh arbeiten, Arbeit lenkt ab.

Mir will nicht so richtig einleuchten, wie das gelingen soll. Keine 10 Stunden ist es her, dass die Schwangerschaft ihr frühzeitiges Ende nahm. Die Gedanken kreisen ohne Unterlass um das nahe Glück, was sich viel zu früh wieder verabschiedet hat. Stundenlang haben wir in dieser Nacht geweint und uns in den Armen gehalten. Jetzt, nur gefühlte Augenblicke später, sitzen mir Anzugträger mit Zeitungen gegenüber und die Gesichter meiner Mitpendler sehen aus, wie sie jeden Morgen aussehen. Alles geht seinen normalen Gang, nur ich bin heute nicht mehr derselbe. Während die junge Schülerin sich mit Hilfe der Frontkamera ihres Smartphones, wie jeden Morgen, den Lippenstift nachzieht und der gut gekleidete Herr die Seiten seiner FAZ fein-säuberlich glattstreicht, steht meine Welt plötzlich auf dem Kopf. Weiterlesen…

Gesellschaftlich

Kinderlos glücklich?

25.09.2015
Helge ist kinderlos glücklich

Gerade komme ich von einer Radtour zurück, die ich mit meinem Bruder unternommen habe. Eine Woche sind wir durch Österreich, Slowenien und Italien, also einmal quer über die Alpen bis zum Mittelmeer gefahren. Unglaubliche Panoramen und gastfreundliche Almhütten waren der Lohn für völlig ungewohnte Anstrengungen. Den einen Morgen sind wir bei -3° Celsius aufs Rad gestiegen, eines anderen Abends konnten wir bis tief in die Nacht im T-Shirt Longdrinks genießen. Insgesamt durfte ich eine abwechslungsreiche Woche erleben und bin ganz selig über diese Erfahrungen.

Manchmal ist man so sehr am Strampeln, dass man gar nicht bemerkt, welche Freiheiten und Vorzüge die gewählte Route bietet. Mein Leben bestand noch vor wenigen Wochen aus Defiziten, weil ich mir ein Kind wünsche und es nicht bekommen kann. Ich erging mich im Selbstmitleid, habe nur auf die Schatten meines Alltags geschaut und die Chancen völlig aus dem Blick verloren. Während meiner Alpentour habe ich viel Zeit genutzt, um mich selbst anzuschauen. Weiterlesen…

Allgemein

Kinderwunsch und die Kosten einer künstlichen Befruchtung

25.08.2015

Zu Beginn unserer Kinderwunschzeit habe ich lange nach den Kosten für die unterschiedlichen Formen der künstlichen Befruchtung gesucht, daher nun hier ein kleiner Infoartikel zu diesem Thema.

Kosten der künstlichen Befruchtung
BehandlungsformKostenEigenanteilAnzahl 1
IUI
(Intrauterine Insemination)
224,98 €50%8
IVF
(In Vitro Fertilisation)
1.762,13 €50%5
(wenn kein ICSI)
ICSI
(intra-zytoplasmatischen Spermien Injektion)
1.643,91 €50%5
(wenn kein IVF)
ICSI bei 2-6 Eizellen
(intra-zytoplasmatischen Spermien Injektion)
3145,30€50%5
(wenn kein IVF)
Follikelpunktion mit Vollnarkose
(Eizellgewinnung)
220,00 €89,00 €5
Kryokonservierung 2380,55 €100%
Zusätzliche Kryokonservierung 3110,25 €100%
Auftauung und Transfer
nach Kryokonservierung
484,02 €100%
Blastozystenkultur /-Transfer598,05 €100%
Einfrieren und späteres Einsetzen
einer überzähligen Blastozyste
179,64 €100%

1 förderfähiger Versuche | 2 von 4 befruchteten Eizellen | 3 von weiteren 4 befruchteten Eizellen

Diese Übersicht ist nur ein Anhaltspunkt, denn jede Klinik und jedes Bundesland hat unterschiedliche Preise und Förderungen. In jedem Fall seht ihr, dass die Kinderwunschbehandlung auch eine finanzielle Herausforderung ist. Jedoch lassen sich die Kosten reduzieren, indem ihr die Krankenkasse wechselt. Die DAK-Gesundheit ist im Jahr 2016 die einzige mir bekannte Kasse, die alle Positionen mit 50% Eigenanteil und die Follikelpunktion zu 100%* übernimmt. Alle weiteren Leistungen sind aber auch bei der DAK ausgenommen.

* oft sind diese Leistungen nur für ein Jahr im Leistungskatalog der Krankenkassen enthalten und werden dann zum Jahreswechsel wieder gestrichen. Wenn Du aber einen genehmigten Behandlungsplan erhältst, ist dieser (unabhängig von Änderungen der Leistungen) ein Jahr lang gültig.

Stand: 23.01.2016

Gesellschaftlich

Diskriminierung von Kinderlosen

17.08.2015
Diskriminierung

Wenn du keine Kinder hast, kannst du nicht mitfühlen!

Richtig. Kann ich nicht. Aber warum soll ich deshalb keine Meinung zu dem Thema haben? Warum sollte ich zu Themen, die mich interessieren, aber nicht praktisch betreffen, meine Schnute halten? Wir alle diskutieren doch auch über Politik, auch wenn wir keine Politiker sind, Eltern äußern ihre Meinung wie Lehrer zu lehren haben und ich hab nun mal auch eine Meinung zur Kindererziehung.

Vor ein paar Tagen durfte ich mal wieder hören und lesen, dass ich mich gefälligst nicht zur hysterischen Debatte um Kinderimpfungen äußern solle, da ich ja nun mal keine Kinder habe und mich deshalb auch nicht in das Thema „reinfühlen“ könne.

  1. Falsch.
  2. Die Impf-Diskussion wird nur noch auf emotionaler Ebene geführt, Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse bleiben auf der Strecke. Hilft es nicht gerade dann, wenn jemand außenstehender unvorbelastet ein paar Argumente in den Gefühlsbrei wirft?

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Gesellschaftlich

Bringt mal bitte jemand Licht ins Dunkel? – Ursachenforschung

10.08.2015
Ursachenforschung, oder Licht ins Dunkle bringen

Direkt nach der zweiten Fehlgeburt waren wir uns schnell einig, umgehend einen Beratungstermin in der KiWu zu vereinbaren – zur Ursachenforschung. Denn uns war klar, verklebten Eileiter sind nicht der Grund für eine weitere Fehlgeburt.

Mit so ziemlich genau diesem Rechenbeispiel begrüßte uns die Ärztin: „Toll ist doch, dass es ganz ohne Hilfe geklappt hat, am Transfer liegt es also nicht!“ und genau das ist ja das Schlimme! Es gibt vermutlich noch eine weitere noch völlig unklar Ursache. Wie nun also weitermachen? Weiterlesen…

Kinderwunsch um jeden Preis?

19.07.2015
Kinderwunsch um jeden Preis

Zwei Monate lang haben wir den Kinderwunsch in den Urlaub geschickt. Nichts drehte sich um traditionelle chinesische Medizin, Folsäure, Cervix-Schleim, Ultraschalltermine, Predalon oder Eisprung. Jedenfalls nicht in unseren Gesprächen und nur wenig in unseren Gedanken. Wir haben die Zeit genossen, waren feiern, tranken Alkohol und haben auch mal eine Zigarette geraucht. Es war richtig befreiend.

Andererseits bin ich weit entfernt von entspannter Urlaubsstimmung. Der Sommer ist beruflich immer besonders eng getaktet, die lieben Freunde, Geschwister und die Frau kommen zu kurz. Dieses Jahr ist es besonders schlimm, denn zwischen Juni und Anfang September liegt nur ein freies Wochenende. Umso wichtiger ist es, dass ich mir einen Ausgleich schaffe. Freie Stunden sind für Rieke vorbehalten und Sport hilft mir den Stress der Arbeit loszuwerden.

Wenn ich nun auf die letzten zwei Monate zurückblicke, stelle ich fest, dass eine Kinderwunsch-Behandlung on top wohl etwas zu viel geworden wäre. Aber woran liegt das? Ist die Kinderwunsch-Behandlung tatsächlich so enorm belastend? Benötigt man so viel Aufmerksamkeit für dieses Thema?

Diese Fragen beschäftigen mich in letzter Zeit häufiger. Zum einen denke ich, dass die KiWu-Behandlung viele Ressourcen verbraucht und die Zeit danach richtig befreiend sein könnte, zum anderen will ich die Hoffnung auf ein eigenes Kind noch nicht aufgeben. Mir ist klar geworden, dass ich den Zeitpunkt für den Absprung nicht verpassen will. Ich möchte nicht mein letztes Hemd, letzten Nervenstrang und eine beträchtliche Anzahl von Lebensjahren in meinen Kinderwunsch investieren und womöglich dabei verbittern. Irgendwann ist einfach Schluss, auch wenn es womöglich noch unversuchte Behandlungsformen gibt.

Welche Strategie ist für mich also am besten, um ohne größere Schäden durch die klinische Kinderwunschzeit zu gelangen? Ich merke mir hilft es, wenn ich meiner Gefühlslage nachgebe – ja, richtige Gefühle zulasse. Außerdem sind mir Pausen wichtig. Zeiten, in denen die Emotionen runter kochen und andere Lebensinhalte in den Vordergrund rücken können. Zu guter Letzt hilft es mir, wenn Rieke und ich die Behandlung in Abschnitte unterteilen und wir uns ein Ende stecken, quasi einen Termin, an dem wir uns damit abfinden wollen, dass eigene Kinder nicht in unser Leben kommen werden. Diese Vorstellung ist traurig, aber ein ewiges Trachten nach kleinen Nachkommen, ist in meinen Augen verheerend.