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Blogparade

Umgang mit Downs auf der Arbeit [Blogparade]

01.11.2015
Kinderwunsch-Downs im Büro

Während ich auf dem Weg ins Büro im Bus mit den Tränen ringe, den Kampf zu verlieren drohe und mir überlege, wie ich den Tag bloß überstehen soll, schießt mir ein gut gemeinter Ratschlag durch den Kopf:

Geh arbeiten, Arbeit lenkt ab.

Mir will nicht so richtig einleuchten, wie das gelingen soll. Keine 10 Stunden ist es her, dass die Schwangerschaft ihr frühzeitiges Ende nahm. Die Gedanken kreisen ohne Unterlass um das nahe Glück, was sich viel zu früh wieder verabschiedet hat. Stundenlang haben wir in dieser Nacht geweint und uns in den Armen gehalten. Jetzt, nur gefühlte Augenblicke später, sitzen mir Anzugträger mit Zeitungen gegenüber und die Gesichter meiner Mitpendler sehen aus, wie sie jeden Morgen aussehen. Alles geht seinen normalen Gang, nur ich bin heute nicht mehr derselbe. Während die junge Schülerin sich mit Hilfe der Frontkamera ihres Smartphones, wie jeden Morgen, den Lippenstift nachzieht und der gut gekleidete Herr die Seiten seiner FAZ fein-säuberlich glattstreicht, steht meine Welt plötzlich auf dem Kopf.

Aus meinen Kopfhörern klingen die dramatischen Melodien des niederländischen Musikers Dotan und die Tränen sammeln sich nun doch in meinen Augenwinkeln.

So begann mein Tag am 29. Mai 2015.

Mike von Unerfuellter-Kinderwunsch.org hat nun zu einer Blogparade mit dem Titel „Umgang mit Downs auf der Arbeit“ aufgerufen, der ich mich nur zu gerne anschließen möchte.

Umgang mit Downs auf der Arbeit

Ist die Arbeit nicht eigentlich gut geeignet um sich abzulenken? So sagt man doch. Während einer Videokonferenz bleibt doch kaum Zeit sich mit den eigenen Gedanken zu beschäftigen. Ein Meeting erfordert die volle Präsenz und Konzentration, sodass für private Trauer kein Raum bleibt. Auch die Kolleginnen/en erwarten den ungezwungenen Smalltalk und die kessen Sprüche, wie kann man da an das eigene Leid denken. Wenn das nicht reicht, kann man sich doch wenigstens zum Feierabend über die beruflichen Erfolge des Tages freuen…

In dem obigen Szenarium ist die Arbeit absolut ungeeignet. Das Büro engt mich ein und hilft mir bei der Verarbeitung des Verlustes überhaupt nicht.

Denn, es fällt doch auch mal einfache Büroarbeit an. Da müssen Adressen recherchiert werden, Bewerbungen gesichtet, die Internetseite aktualisiert werden. Bei solchen Tätigkeiten bleibt mir immer genügend geistige Kapazität, um mich mit meiner Trauer zu beschäftigen. Das geschäftliche Umfeld reagiert schon auf die kleinsten Abnormitäten (wie rote Augen oder geringe Konzentration), daher muss ich mich vollständig unter Kontrolle haben. Anstrengend. Dazu kommt, dass ein Rückzugsort fehlt, wo ich notfalls der Trauer etwas nachgeben kann.

In diesem Fall ist es für mich, eigentlich aber für alle, besser, wenn ich mich künftig krankmelde. Eine Fehlgeburt ist dann doch eine zu heftige Nummer, die man erst mal wegstecken muss.

Negativer Test nach der IUI

Ganz anders ist es jedoch, wenn nach einer IUI der Test negativ ausfällt. Die Laune ist zwar ebenfalls im Keller, aber ich bin nicht annähernd so mitgenommen, wie bei obigem Szenario.

Die Kinderwunschbehandlung strapaziert die Flexibilität des Arbeitgebers ohnehin schon zu genüge, daher kommt eine Krankmeldung nach negativem Schwangerschaftstest für mich nicht in Frage. Außerdem ist für mich die Arbeit eine willkommene Möglichkeit, nicht in eine trübsinnige Grundstimmung zu verfallen, sondern gleich wieder den Einstieg in den Alltag zu bekommen. Jetzt ist mir jede Videokonferenz, jedes Meeting willkommen und berufliche Erfolge hellen meine Stimmung sehr effektiv wieder auf. Wichtig ist nur, dass ich mir die Rahmenbedingungen weitestgehend anpasse. Viele Termine und Gespräche mit Kollegen sind die perfekte Ablenkung. Aber häufige Pausen und kurze Arbeitstage sorgen für einen guten Ausgleich, um nicht übermäßigen Stress neben die schlechte Laune zu stellen. Im Zweifelsfall tun sich sonst Stress und schlechte Laune zusammen. Das kann dann wieder ein buntes Feuerwerk werden.

Mir kommen zwei wichtige Faktoren zugute:

  1. Ich gehe schon immer im Büro offen mit meinem unerfüllten Kinderwunsch um. Mein Chef und meine Kolleginnen/en haben schon häufiger mitbekommen, dass ich frühe Termine wegen unserer Kinderwunschbehandlung absagen musste.
  2. Glücklicherweise kann ich meine Termine selbst bestimmen, meine Arbeitszeiten eigenständig verwalten und das Überstundenkonto steht sowieso immer im Plus, daher kann ich im akuten Falle den Feierabend vorziehen.

Ohne diese Offenheit und die freie Einteilung meiner Zeit, wären die Büroarbeit und die Kinderwunsch-Downs sicherlich schwerer zu vereinbaren.