Allgemein

Unten ohne

06.08.2014

Bei unserem ersten Termin in der Kinderwunschklinik hatte der Arzt uns gesagt, dass er uns sehr raten würde – sprich uns am liebsten keine Wahl lassen –  vor Beginn der KiWu-Behandlung bei Rieke eine Bauchspiegelung durchzuführen. Unter den Umständen würde er die Eileiter dann auch gleich entfernen, da sie, in dem zu erwartenden Zustand, eine Einnistung stören können. Dazu hatte er auch eine Statistik parat, nach der 30% mehr Frauen mit entfernten Eileitern schwanger geworden sind. Rieke lehnte sofort ab. Der Gedanke, sich sterilisieren zu lassen, um ein Kind zu bekommen, war absurd.

Damals entschieden wir uns für die Behandlung beim Heilpraktiker.

Als für uns 4 Jahre später klar wurde, dass es Zeit für das nächste Level ist, hatten wir die evtl. Entfernung von Eilleitern nicht mehr auf´m Zettel. Wir saßen dem selben Arzt mit derselben Statistik und derselben Prognose gegenüber: Eine Entfernung der Eileiter ist sehr wahrscheinlich! Nur diesmal war Rieke wild entschlossen und willigte sofort ein. Ob ich damit einverstanden bin, fragte sie erst hinterher. Schwierig, bei solch einer Entscheidung mitzureden, wenn es nicht um den eigenen Körper geht.

6 Wochen hatten wir Zeit, den Termin mit Kollegen abzusprechen, Termine umzulegen und vor allem sich mit den Gedanken und Gefühlen zu Vollnarkose, evtl. Sterilität und dem Näherrücken einer Endgültigkeit auseinanderzusetzten. Wir haben beide keine Erfahrung mit Operationen, Vollnarkose und Krankenhausaufenthalten. Daher war die Durchführung an sich schon aufregend.

Die Vorstellung, hinterher nie wieder die Möglichkeit zu haben doch ein Wunder zu erleben und auf natürlichem Wege zu einem Kind zu kommen, war irgendwie irreal und nicht wirklich zu fassen. Einerseits haben wir schon viel Hoffnung auf unserem Weg eingebüßt und Zuversicht ganz verloren, andererseits ist da immer noch ein Funken, der so vor sich hin glimmt und auch hin und wieder so ein kleines Strohfeuerchen entfacht.  Wenn einem zum x-ten Mal von einer Wunderwunschschwangerschaft erzählt wird und auch der Heilpraktiker zuversichtlich ist. Dieses Schwanken fühlt sich nicht selten belastend an, ist man am Ende doch immer wieder enttäuscht, auch wenn das Gefühl immer weniger stark daherkommt. Vielleicht kann so eine klare Endgültigkeit auch Frieden bringen!

Vor 4 Jahren wäre es für mich falsch gewesen, immer hätte ich mich gefragt, ob nicht auch uns das Wunder hätte ereilen können. Doch heute sehnen wir uns immer häufiger nach einer Entscheidung des Lebens um ggf. Abschied zu nehmen von unseren Lebensplänen, von Warteschleifen, von Dauerbehandlung, finanziellen Belastungen und Einschränkungen der Lebensqualität.

Nur was ist dann mit der Sehnsucht? Sehnsucht nach Familie, nach lebenslang und „wie Du, nee Du, wie WIR“ – Sind wir wirklich schon bereit das aufzugeben?

 

Kein Kommentar

Kommentar schreiben