Folge 1 - Exit-Strategie
Audio

Podcast – Folge 1: Exit Strategie vom Kinderwunsch

 

Mein neues Projekt startet. Nachdem wir nun Abschied vom Kinderwunsch nehmen, ist wieder Zeit für Neues. Warum also nicht mal einen Podcast. Dies ist meine erste Folge und ich hoffe, sie gefällt euch.

In der ersten Folge des Vaterwunsch-Podcasts geht es um die Exit Strategie vom Kinderwunsch. Meine Blogleser kennen das Thema bereits, hier handelt es sich aber um eine Extended-Version.

Übrigens: Den erwähnten Beitrag „Ratschläge sind auch Schläge“ findet ihr hier und den am Ende erwähnten Blog Wonderland hier.

 

Musik: Back To Me (Tab & Anitek)

Exit Strategie von Helge

Exit Strategie vom Kinderwunsch

Nu is‘ aber gut. Reicht! Spaß is‘ auch was anderes. Wieso nochmal? Bringen tut’s ja offensichtlich nichts.

So und so ähnlich meldete sich immer wieder meine innere Stimme. Die Kinderwunschbehandlung begann ihre Fratze zu zeigen, also musste eine Exit Strategie her. Passend dazu haben schon Icke&Er formuliert:

Den gesamten Song könnt ihr euch hier ansehen.

Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende?

Lasst mich aber kurz zusammenfassen: Im März diesen Jahres haben wir eine ICSI durchgeführt, den eigenen Kindern sind wir jedoch keinen Schritt näher gekommen. Stattdessen haben wir nach einer erfolglosen Schwangerschaft im Folgezyklus sämtliche Flure, Betten und Behandlungsräume des örtlichen Krankenhauses kennenlernen dürfen. Eine Erfahrung, die ich auch meinen ärgsten Feinden nicht wünschen würde. Diese Zeit hat mein Nervenkostüm stark in Mitleidenschaft gezogen, für viele schlaflose Nächte gesorgt und mir einen großen Sack voll Sorgen um meine Frau beschert. Am Ende hat es nichts gebracht, uns aber viel Lebensfreude geraubt – vom Geld mal abgesehen.

Eine ganze Weile waren wir – wie paralysiert – mit dem Versuch beschäftigt, den Alltag zu bewältigen. Erst während unseres Urlaubs haben wir Zeit für unsere Gefühle gefunden. Abends am Strand bei Sonnenuntergang, Aperol Spritz und Tabula rasa wurde klar, dass wir nicht mehr weitermachen wollen.

Wir ziehen einen Strich

Wir wollen unser Leben zurück. Es soll Schluss sein mit den Hormonen, mit den Spritzen, mit Sex nach Plan, mit Terminen in der Klinik, mit Ausreden beim Arbeitgeber. Uns ist ohnehin schon lange klar, dass die Chance auf ein Kind gering ist. Kein Arzt, kein Heilpraktiker und keine Diagnostik konnten uns bisher helfen. Wenn es doch noch ein Verfahren geben sollte, dann wird es uns nun auf ewig verschlossen bleiben, denn wir suchen nicht mehr weiter.

Gemeinsam mit Rieke, da bin ich mir sicher, kann mein Leben erfüllt, genussvoll und ausgeglichen sein. Eigene Kinder sind zwar mehr als nur die Kirsche auf der Sahne, aber wir beginnen zu verstehen, dass wir nicht alles bekommen können, was wir uns wünschen.

Diese Entscheidung fällt schwer, aber unser Leidensdruck ist zu hoch, um weiter an einem Lebensentwurf zu schrauben, den wir nicht umsetzen können. An dieser Stelle höre ich schon wieder die Stimmen:

Wenn ihr mit dem Versuch aufhört und euch entspannt, klappt es bestimmt von alleine.

Dazu kann ich nur gähnen und euch bitten diesen Blogpost nochmal ausführlich zu lesen!

KiWuExit – die Strategie

Was ist schön an unserem Leben? Was bereichert uns? Über diese Fragen haben wir uns schon vor längerem einem möglichen Plan B genähert.  Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie ohne Kinder unser Glück finden? Eine Antwort war: Ohne Kinder wollen wir´s nicht. Warum auch, wir haben viele Kinder – Patenkinder, Neffen, Freundeskinder. Schon jetzt schenken wir ihnen unsere Aufmerksamkeit, verbringen viel Zeit mit ihnen und erlangen unsere tägliche Portion Glückseligkeit. Dies soll auch so bleiben.

Jetzt braucht es noch einen anständigen Rahmen. Und auch den haben wir gefunden; ein kleines Haus mit großem Garten und Platz für kleine, größer werdende und große Schlafbesucher. Wir haben es uns gewünscht und es hat uns gefunden. Perfekt. Genauso sollte es doch immer laufen. Wir haben nicht lange gezögert und zugeschlagen. Die Tinte unter dem Kaufvertrag ist mittlerweile trocken, jedoch müssen wir uns noch drei Monate bis zur Übergabe gedulden. Doch dann leben wir in unserer „Begegnungsstätte“. Noch fehlen dem Haus der Charme, die gewisse Ausstrahlung und die Individualität, aber daran werden wir arbeiten. Denn gewonnen haben wir durch die Kinderlosigkeit ganz viel Zeit für uns, für unser neues Haus. Unser Umfeld äußert hin und wieder Neid über so viel Unabhängigkeit, Freiraum und unseren gesunden Schlafrhythmus. Ja, es mag recht egoistisch daher kommen. Aber mal ehrlich: Wir hätten alles hergegeben ohne mit der Wimper zu zucken, aber nun können wir dem auch viel Gutes abgewinnen!

Am Ende jedoch sollen alle etwas davon haben: Ein Haus mit offenen Türen, in dem jeder herzlich willkommen ist.

Und jetzt?

Ja, es ist soweit. Helge sagt Tschüss! Ich verabschiede mich vom Kinderwunsch. Damit soll hier aber keine Grabesstille herrschen. Jetzt geht es ja eigentlich erst richtig los. Meine Themen in der Zukunft lauten zukünftig „Plan B zum Kinderwunsch“ und „Ungewollt Kinderlos in der heutigen Gesellschaft“. Wenn euch noch weitere Themen interessieren, schreibt sie mir gerne in die Kommentare.

Übrigens: Sobald Rieke und ich eine letzte Kontrolle aller eventuell kompromittierenden Details auf diesem Blog abgeschlossen haben, könnte ich euch meine wahre Identität offenbaren. Hui, da bekomme ich jetzt schon ein bisschen Herzklopfen. Die Entscheidung steht aber noch nicht fest und wird heiß diskutiert. Was meint ihr, ist es Euch wichtig zu wissen, wer wir sind? Oder kennen die meisten uns eh schon?

Die drei Schuppen der Meerjungfrau

Die drei Schuppen der Meerjungfrau

Rieke möchte sich schon seit längerer Zeit tätowieren lassen. Es soll ein Motiv sein, dass für sie Bedeutung hat, aber was das genau sein könnte, konnte sie sich noch nicht ganz vorstellen. Es soll Ausdruck unserer Geschichte sein, mit all den Leiden und Freuden. Wir sind dem Meer sehr verbunden, daher sollte es ein maritimes Motiv sein. Das Thema Kinderwunsch und unsere Herzenskinder haben sie so in ihrem Leben geprägt, dass das Motiv sich auch darauf beziehen soll. Ein Stern für jedes Sternenkind ist ihr dann aber doch zu plakativ.

Beim Samstagsfrühstück letzte Woche kam ihr die kleine Meerjungfrau in den Sinn. Kennt ihr die freud- und leidvolle Geschichte der kleinen Meerjungfrau? Also, nicht die Disneyvariante mit Arielle, sondern das Original von Hans Christian Andersen? Genau so. Sie lebt im Meer, aber das Land ist so reizvoll, dass die Meerjungfrau sich im Meer nicht so richtig zuhause fühlt. Sie will an Land und vom Prinzen geliebt werden, schafft es aber nicht. Obwohl sie sich sogar entscheidet die Gestalt der Meerjungfrau gegen die einer Menschenfrau einzutauschen, bleibt ihr Vorhaben erfolglos. Die Umwandlung ihrer Gestalt ist unumkehrbar, doch trotz dieses Opfers kann sie den Prinzen nicht für sich gewinnen. Dieses Märchen lässt viel Interpretationsspielraum, in dem sich auch unsere eigene Geschichte unterbringen lässt.

Die Meerjungfrau als Tattoo könnte auf eine sehr charmante Art als Trägerin unser Herzenskinder dienen. Für jedes verlorene Kind kann sie eine besonders schillernd bunte Schuppe gemalt bekommen. Ursprünglich waren zwei Schuppen vorgesehen… Aber nun ist eine dritte hinzugekommen.

Es verblüfft mich gerade selber, aber beim Schreiben diese Einleitung, mit der ich mich dem Thema aus einer ganz anderen Ecke nähere, habe ich einen Zugang zu Gefühlen in mir gefunden, die ich vorher nicht verspürt habe. Schauen wir mal, wohin mich diese Gefühle führen werden.

Die dritte Schuppe der Meerjungfrau

Ich blicke auf eine aufregende und durchaus glückliche Zeit zurück, in der Rieke schwanger war, der hcg-Wert nach oben ging und alle Ampeln auf grün standen. Wir haben uns immer eingebildet, wenn es noch einmal klappt, ein drittes Mal, dann werden wir ein Baby auf den Armen tragen können. Unser eigenes, nicht nur ein geliehenes. Und plötzlich sah es dann tatsächlich danach aus. Auf Twitter konnte ich meine Freude nicht mehr zurückhalten und verkündete die frohe Botschaft. Die Vielzahl der Beglückwünschungen ist für mich immer noch total überwältigend.

Doch wechseln wir nun von der Vergangenheitform in die Gegenwart. Der hcg-Wert steigt nicht ausreichend, die Schwangerschaft ist nicht intakt, ein Ultraschall zeigt keine Fruchthöhle oder gar ein Embryo, ein eigenes Kind wird uns nicht vergönnt sein. Die Nachricht ist wie ein Paukenschlag, auch wenn es mich nicht so sehr trifft, wie bei der letzten verlorenen Schwangerschaft (siehe Helge wird wieder Herzensvater). Rieke zerläuft aber förmlich in meinen Armen. Es ist schrecklich mit anzusehen und bricht mir das Herz. Ganz liebe Freundinnen, ihre Mutter und ich versuchen ihr Stütze zu sein und langsam kommt sie wieder auf die Beine.

Es dauert eigentlich nicht so lange, vielleicht zwei, drei Tage, bis Rieke die heftigesten Gefühle des ersten Schmerzes überwunden hat. Doch noch haben die Blutungen nicht vollständig eingesetzt. Sie beginnen zwar, sind aber viel zu gering und zu schnell vorbei. Die Blutung ist schon bei den ersten zwei Fehlgeburten ein wichtiger Teil ihrer Verarbeitung gewesen.

Wenn’s kommt, dann dicke

Irgendwas läuft nicht ganz richtig. Rieke ist in engmaschiger Kontrolle bei der Frauenärztin. Die Blutwerte zeigen, dass der hcg-Wert nicht ausreichend absinkt, dazu bricht ihr Kreislauf immer wieder weg und sie hat plötzlich Schmerzen im Unterleib. Unsicherheit macht sich breit: Doch eine Eileiterschwangerschaft?

Die Frauenärztin hat Rieke in jedem Telefonat mindestens zwei mal eindrücklich gebeten: „Wenn sie Schmerzen oder ungewöhliche Kreislaufbeschwerden haben, fahren sie ins Krankenhaus!“  Vorgerstern tat ihr dann beim Fahrradfahren plötzlich die rechte Leiste weh und der Kreislauf verabschiedete sich plötzlich, Oberbauchdruck blieb. Da haben wir uns doch für einen Besuch im Krankenhaus entschieden. Rieke musste die letzen 24 Stunden in der Klinik verbringen, da das Ultraschall bei der Aufnahme, laut Oberärztin, etwas auffällig war. Schon da war aber die Vermutung, dass die Gelbkörperzyste geplatzt ist, die vorher noch da war, nun aber weg ist. Das könnte auch die Beschwerden verursacht haben. Der Ärztin ist eine Überwachung dann aber doch lieber und so wird Rieke zur Kontrolle stationär aufgenommen. Am Ende zeigt sich am folgenden Tag in der Sonografie das zweite Ultraschall unauffällig und eine Operation ist nicht notwendig. Der hcg-Wert sinkt von alleine und kann ambulant weiter kontrolliert werden. Rieke wird entlassen und wir können nun doch noch die Ostertage zuhause und bei Freunden verbringen. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie erleichtert ich bin. Ein tonnenschwere Last wird mir von den Schultern genommen.

Unser Weg entlock mir in solchen Phasen immer mal wieder ein „Puh“. Ein „Puh“, für ganz schön aufregend, ganz schön anstregend, ganz schön viel Leben spüren. Es stellt sich mir immer mal die Frage, ob die Kinderwunschzeit am Ende meines Lebens ein bunter Flecken sein wird oder ein bedeutendes Erlebnis, das mein Leben entschieden gelenkt hat. Kann ich die Größe ihrer Bedeutung in meinem Leben selbst bestimmen oder sind sie so massiv, dass sie mich, meine Beziehung, meinen Lebensweg maßgeblich beeinflussen. Sind sie wirklich ein Tattoo wert?

Was meint ihr? Wieviel Bedeutung messt ihr eurer Kinderwunschgeschichte bei? Ist sie ein Tattoo für die Ewigkeit wert?

Kurzmitteilung

Kinderwunsch Unplugged

Claudia vom Wegweiser Kinderwunsch hat mit mir ein Gespräch über meinen Kinderwunschweg, meine Intention diesen Blog zu schreiben, persönliche Tiefpunkte und meine Quellen für Kraft und Mut geführt. Schaut doch mal rein:

Kinderwunsch Unplugged: Helge will Vater werden. Aber was, wenn es nicht klappt?!

Vielen Dank, liebe Claudia, für dieses angenehme Gespräch!

Helge mit Adoptivkindern

…aber ihr könnt doch adoptieren

In meinem letzten Beitrag ging es um lieb gemeinte Ratschläge, die weniger helfen als schmerzen. Dabei kam ich auch auf die Floskel „Aber ihr könnt doch adoptieren“ zu sprechen. Dieses Thema möchte ich gern nach meinem Standpunkt genauer ausgeführen.

Der Ratschlag, man könne doch adoptieren wirft unseren Kinderwunsch in einen Topf mit einer Adoption. Die logische Folge lautet scheinbar: Zuerst versucht man es mit unverhütetem Sex, danach wird die reproduktivmedizinisch unterstützte Behandlung ausgereizt, bevor dann die Adoption als adäquates Mittel zur Befriedigung des Kinderwunsches herhält. Diese Liste ließe sich vermutlich noch um den Punkt, sich als Pflegeeltern zur Verfügung zu stellen, ergänzen.

Der Wunsch sich fortzupflanzen

Für uns ist die Adoption jedoch ein völlig losgelöstes Thema. Nicht uninteressant, aber auch nicht im gleichen Atemzug mit unserem Kinderwunsch zu nennen. Wir sehnen uns – ganz egoistisch – nach einem Kind, in dem wir uns wiederfinden können, das eine Verschmelzung unserer genetischen Anlagen in sich trägt. Ich liebe meine Frau und finde, dass die Welt eine kleine Ausgabe von ihr gut gebrauchen könnte. Wenn ein wenig von mir ebenfalls in dem kleinen Wesen aufblitzt, wäre es für die Welt (hoffentlich) auch nicht zum Nachteil. Der Wunsch nach einem Kind hängt mit unserer Evolution zusammen, mit dem Trieb sich fortzupflanzen.

Ein Kind zu adpotieren bedeutet sicher auch Familie sein zu können, einem kleinen Wesen den Weg in diese Welt zu weisen, gemeinsame Werte zu vermitteln. Doch der Absender des Ratschlags berücksichtigt nicht, welche evtl. Schwierigkeiten im Leben mit einem Adoptivkind schlummern, welche Themen die Erziehung eines adoptierten Kindes bereithält. Besonders in der Pubertät beginnt ein Kind seinen Standpunkt zu entwickeln, seine eigene Basis zu stärken, sich zu verorten, seine Grundsätze zu formen, die eigenen Eltern in Frage zu stellen. Nur wer sind die eigenen Eltern? Dass in dieser Phase grundlegende Zweifel aufkommen, ist wahrscheinlich, da die Fragen „Wo komme ich eigentlich her?“ und „Warum erkenne mich in meinen Eltern nicht wieder?“ nicht vollständig beantwortet werden können. Für ein leibliches Kind sind diese Krisen vermutlich anders, wenn nicht gar leichter, zu bewältigen – wie auch für die Eltern.

Ein Familienleben mit eigenen oder Adoptivkindern sind für mich zwei unterschiedliche Paar Schuhe.

Ob das so stimmt, weiß ich nicht, aber diese Gedanken schwirren mir bei der Frage nach einer Adoption im Kopf herum. Das Leben mit einem adoptierten Kind wäre, jedenfalls für mich, ein anderes. Das scheint jedoch in dem Ratschlag „Aber ihr könnt doch adoptieren“ keine Berücksichtigung zu finden.

Adoptieren, um zu helfen?

„Aber ihr könnt doch adoptieren“ beinhaltet manchmal auch die Auffassung, dass Horden von Kindern, die von verantwortungslosen Eltern ausgesetzt und ausgestoßen wurden, nur sehnlichst darauf warten endlich von potentiellen Adoptiveltern in eine liebevolle und gut situierte Famile aufgenommen zu werden. Wenn diese Vorstellung stimmen würde, könnten wir ja eigentlich gleich Montag zu IKEA fahren, die Einrichtung für das Kinderzimmer einkaufen und danach ein dazu passendes Kind auswählen. Dass hier aber Vorstellung und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen, zeigen die folgenden Zahlen.

Im Jahr 2014 waren 5.765 Adoptionsbewerbungen vorgemerkt, denen 3.805 zu adoptierende Kinder und Jugendliche gegenüberstanden. Das sieht auf den ersten Blick recht erfolgversprechende aus, denn auf jedes Kind bzw. jeden Jugendlichen kommen nur 1,5 Bewerbungen. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass über 60% der Adoptionen von Verwandten oder Stiefeltern angenommen wurden, steht die eigene Bewerbung plötzlich in Konkurrenz zu 3,9 anderen Bewerbungen. Die Wahrscheinlichkeit ein Kind oder Jugendlichen adoptieren können liegt somit nur bei 25,9%. Wenn nun  noch persönliche Vorlieben, wie z.B. Alter zwischen 1-2 Jahren, deutsch, keine Frühgeburt, berücksichtigt werden sollen, bewegt man sich schnell im einstelligen Prozentbereich.

Dass eine Adoption eine selbstlose Hilfe für arme, verwaiste Kinder darstellt, ist scheinbar eine weitverbreitete Annahme. Dabei muss sich niemand aufopfern, um die armen Kindern zu adoptieren. Die Schlangen von willigen Paaren sind lang und für jedes zu adoptierende Kind wurde in Deutschland bisher ein Elternpaar gefunden. Man könnte in diesem Zusammenhang auch von „Nachfrage“ sprechen, aber dann stempelt ihr mich vermutlich endgültig als emotionslos ab.

Sich für eine Adoption zu entscheiden bedeutet demnach, sich auf die Ungewissheit einzulassen. Nicht zu wissen, ob man eine Familie gründen kann. Es ist mit viel Zeit verbunden – Zeit der Vorbereitung und Zeit des Wartens. In meiner Vorstellung ist es dem unerfüllten Kinderwunsch nicht fern: Hoffen, bangen und der Ausgang ist ungewiss. Ich vermute auch eine Entscheidung zur Adption braucht viel Energie und Kraft.

Grundsätzlich bin ich ein großer Befürworter des Systems, nach dem in Deutschland Adoptionsverfahren durchgeführt werden. Paare ohne Kinder, aber mit dem Wunsch nach einem Familienleben, haben die Möglichkeit sich diesen Wunsch zu erfüllen. Kinder, deren Eltern nicht imstande sind, sich ausreichend zu kümmern, bekommen eine aussichtsreiche Alternative geboten. Auch Eltern oder alleinlebenden Müttern wird ein legaler Weg aufgezeigt, ihr Kind in eine umsorgte Zukunft zu geben, wenn sie selber ihrem Kind keinen ausreichenden Schutz bieten können. Auch wenn die Verfahren viel von den zukünftigen Adoptiveltern abverlangen, sind sie in meinen Augen notwendig, um einen verantwortungsvollen Umgang mit jungen Existenzen zu gewährleisten.

Ihr seht, eine Adoption ist in meinen Augen nicht unproblematisch und kommt für uns zur Zeit nicht in Frage. Unseren Wunsch nach (genetischer) Verschmelzung wird durch das Adoptieren eines Kindes nicht erfüllt, der bürokratische Aufwand schreckt uns ab und mögliche Identitätskrisen machen uns (ein wenig) Angst. Mal abgesehen davon: Warum kann die Alternative denn nicht auch einfach Kinderfreiheit sein?

Die Statistiken zur Adoption in Deutschland entstammen den Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe „Adoptionen 2014“ vom 29.09.2015 des Statistischen Bundesamtes.